Zwischen Stillen, Regen und Rocken

Sarah Connor gibt auf dem Kunst!Rasen in Bonn alles

Bonn. Schon zum zweiten Mal war Sarah Connor zu Gast auf dem Kunst!Rasen in der Bonner Rheinaue. Und wieder begeisterte sie ihre Fans mit alten und neuen Songs. Hier sind die Bilder vom Konzert.

Ein Hauch von déjà-vu liegt in der Luft. Vor ziemlich genau einem Jahr hatten sich schon einmal mehr als 4000 Fans auf dem KunstRasen versammelt, um eine Sängerin zu bejubeln, die sich in ihrer Muttersprache neu verwurzelt hat und die damit überaus erfolgreich ist. Jetzt ist Sarah Connor wieder in Bonn und macht genau da weiter, wo sie beim letzten Mal aufgehört hat: Bei der gefälligen Vermengung von Rock und Deutsch-Pop zu Schlager-ähnlichen Texten in modernem Gewand, die zugleich von einer größeren stilistischen Bandbreite und vor allem von mehr Authentizität flankiert werden.

Klappt eigentlich ganz gut, von dem kurzen Regenschauer zu Beginn des Konzerts abgesehen, dem die 37-Jährige sich allerdings genüsslich stellt. Ohnehin strahlt sie, ist bestens gelaunt und genießt die Begeisterung, die ihr entgegenströmt, in vollen Zügen.

Zwischen ihren Songs ist der Nachwuchs Dauerthema. Klar: Auf der einen Seite die Pubertät des Ältesten, auf der anderen die Stillzeit des Jüngsten. Und dazwischen eben irgendwie die Auftritte. Ganz schön viel Stress, den die charmante Blondine aber geschickt verbirgt. Und ihre Mutterrolle auch aufs Publikum ausdehnt. Die fünfjährige Lynn holt sie sogar kurz auf die Bühne und bezaubert mit dieser einfachen Geste das Publikum endgültig.

Alte Hits neu interpretiert

Danach geht es charmant weiter mit dieser schon 2016 gepflegten Mischung aus neuen und alten Hits. Letztere hat Sarah Connor generalüberholt, mäandert bei „Bounce“ an den Grenzen zum Hip-Hop, bei „From Zero To Hero“ im Reich des Funk und bei der gefühlsduseligen Ballade „From Sarah With Love“ im eleganten Bossa. Klasse! Ab und zu zelebriert sie sogar Rock und Soul und ist dann tatsächlich jenseits des Mainstreams, hat sich von diesem emanzipiert und beweist so, dass sie die Metamorphose von Kunstfigur zu Künstlerin wie einst die mythische Galatea endgültig vollzogen hat.

Zumal auch die Bühnenshow durch ein bisschen Reduktion viel gewonnen hat. Statt übertriebener Effekte sorgt eine exzellente Band für das Fundament, von dem aus sich Connor mit ihrer bemerkenswerten Stimme in die Lüfte schwingen kann. 

Publikum singt begeistert mit

Und dann sind da noch ihre deutschen Lieder. Die über ihre Kinder („Wie schön du bist“), über ihre Beziehungen („Wenn du da bist“), über Eifersucht („Kommst du mit ihr“), Frust („Anorak“) und Lebensfreude („Mit vollen Händen“). Eingängiger Soulpop, der zumindest musikalisch nicht mit der Brechstange, sondern vielmehr mit Fingerspitzengefühl kreiert wird. Nur bei den Texten schimmert zu oft das Baukastenprinzip der kitschigen Phrasen durch.

Um so erfreulicher sind Ausnahmen wie das grandiose „Augen Auf“, das wie schon im vergangenen Jahr einen Höhepunkt des Konzerts darstellt. Das Publikum singt natürlich begeistert mit, so wie ohnehin bei allen Songs. Sarah Connor weiß das zu schätzen. Bis schließlich doch wieder das jüngste Kind zu seinem Recht kommen muss. Stillpause beendet. Weiter (oder wieder von vorne los) geht es dann erst beim nächsten Konzert.