Ausstellungsreihe "Szene Rheinland"

Rote Kammern im Rheinland

Reisefrüchte: Julia Lohmann war in ihrem Leben oft in China. Von dort brachte sie die Idee der "Roten Kammer" mit. In China markieren sie Räume, die den Frauen zugeordnet sind.

Reisefrüchte: Julia Lohmann war in ihrem Leben oft in China. Von dort brachte sie die Idee der "Roten Kammer" mit. In China markieren sie Räume, die den Frauen zugeordnet sind.

Es bleibt zunächst unbemerkt, dass die Flüssigkeit in dem verwirrenden System aus transparenten Schläuchen mit zahlreichen Verbindungsstücken und Abzweigungen in Bewegung ist. Erst nach einer Weile entdeckt man, dass es sich tatsächlich um zwei Flüssigkeiten handelt, rot gefärbtes Wasser und blau gefärbtes Öl, die sich wie in geheimer Absprache und sehr langsam gegenseitig durch die Leitungen ziehen und schieben.

"Rhizom" heißt diese Installation von Julia Lohmann, eine zentrale Arbeit in ihrer aktuellen Ausstellung im Bonner Landesmuseum, die zugleich eine neue Ausgabe der Serie "Szene Rheinland" ist. Rhizome nennt man in der Biologie Sprosssysteme, die sich unterirdisch verbreiten und das kann man im Falle von Julia Lohmann durchaus als Metapher für ihr verzweigtes künstlerisches Oeuvre verstehen.

In einer sehr persönlich geleiteten Mischung aus wissenschaftlicher Neugier und dem Interesse an menschlichen Begegnungen geht Julia Lohmann, die vor 40 Jahren bei Erwin Heerich und Joseph Beuys in Düsseldorf studierte, den Dingen auf den Grund. Die künstlerischen Ergebnisse aus diesem Suchen, Entdecken und Verstehen zeugen denn auch eher von einer Haltung zur Welt als von der Entwicklung eines Stils.

Ihre Arbeiten sind malerisch, skulptural und installativ, können von Klängen begleitet sein oder auch filmisch umgesetzt werden. Wie das Video, in dem Ali Kaya, der einen Kiosk in Düsseldorf betreibt und wann immer er Zeit findet, in sein Apartment nach Istanbul reist, von seinen langen Tagen im Büdchen erzählt. Während eines Stipendienaufenthaltes im Künstlerhaus Edenkoben ließ sich Julia Lohmann von der pfälzischen Landschaft zu Querformaten aus Aluminium anregen, die sich von der Wand lösen und den realen Raum zu einem Bestandteil des Bildes machen.

Im Farbauftrag, der die Natur nicht abbildet, sondern gedanklich sehr frei abstrahiert, ist die einfühlsame Präsenz der Künstlerin spürbar. Auch die Arbeit "Rote Kammern", die der aktuellen Ausstellung im Landesmuseum den Titel gegeben hat, zeugt von der Entdeckerlust der Künstlerin. Bereits vor Jahrzehnten reiste sie häufig nach China, wo sie den roten Kammern begegnete, die vom 17. bis ins 20. Jahrhundert in die Obergeschosse der Häuser eingebaut wurden und den Bereich des Privaten, der Frauen und der Kultur umschlossen.

Auch die Farbe Rot, in China ein Symbol für Glück und Reichtum, interessierte Julia Lohmann. Sie recherchierte weiter, traf auf die Jesuiten am chinesischen Kaiserhof, auf Konfuzius, Voltaire und Friedrich den Großen und nutzte dies als Grundlage für eine Installation, die als freie Annäherung an das Thema zu verstehen ist.

Die Abbildung einer roten Kammer - das Original steht im Atelier der Künstlerin -, ein Video mit Textrezitationen und eine Reihe von Objekten, in denen Julia Lohmann ihre eigene Version der roten Kammern geschaffen hat, gehören dazu. Eine Empfehlung für diese gedanklich anregende und atmosphärisch dichte Ausstellung.

LVR-Landesmuseum, Colmantstraße 14-16, bis 5. Juli. Di-Fr und So 11-18, Sa 13-18 Uhr, Katalog Richter Verlag 24,80 Euro.