Beethovens Siebte ist ein Dauerbrenner

Rheinisches Musikfest trifft Beethovenfest

Dirigent Christoph Spering dirigiert das Orchester Rheinton im WCCB.

Dirigent Christoph Spering dirigiert das Orchester Rheinton im WCCB.

Bonn. Im WCCB erinnert das Beethovenfest mit einem großen Konzert für Chor und Orchester an die Tradition der Rheinischen Musikfeste im 19. Jahrhundert.

Nach dem triumphalen und mitreißend gestalteten Schlusschor des Oratoriums „Der Sieg des Glaubens“ von Ferdinand Ries wollte der Applaus im World Conference Center Bonn (WCCB) gar nicht mehr enden. Vorausgegangen waren mehr als zweieinhalb Stunden Musik, die ganz im Zeichen des „Rheinischen Originalklangs“ – einem der thematischen Schwerpunkte des diesjährigen Beethovenfestes – und dem Gedenkens an die Niederrheinischen Musikfeste standen.

Vor genau 200 Jahren fanden 1818 in Düsseldorf die ersten Niederrheinischen Musikfeste statt, und vor mittlerweile 60 Jahren wurden sie 1958 in Duisburg zum letzten Mal begangen. Was es mit dem Konzept des Abends auf sich hatte, erfuhren die Konzertbesucher im Einführungsvortrag des Kölner Musikwissenschaftlers Arnold Jacobshagen. So zeichneten sich die Musikfeste am Niederrhein durch die überregionale Vereinigung und das Zusammenwirken von Profi- und Laienmusikern mit gemischten Chören in Massenbesetzungen aus.

Dem trug das Konzert am Sonntagabend im WCCB durch seine große und exquisite Besetzung Rechnung: Unter dem stets passionierten Dirigat des auf historische Aufführungspraxis spezialisierten Christoph Spering musizierten der von ihm gegründete Chorus Musicus Köln und das aus den Reihen des ebenfalls von Spering gegründeten Neuen Orchesters hervorgegangene Orchester Rheinton. Die Musiker nutzen dezidiert ein Instrumentarium, das um die Mitte des 19. Jahrhunderts üblich war und gebaut wurde. Der Chor wurde bestens unterstützt vom Bonner Kammerchor.

Mit Werken von Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy und Ferdinand Ries standen Komponisten auf dem Programm, die die Niederrheinischen Musikfeste geprägt haben: Mendelssohn und Ries als Dirigenten und künstlerische Leiter sowie Beethoven als deren meistgespielter Komponist im 19. Jahrhundert. Beethovens Sinfonie Nr. 7 in A-Dur erfreute sich dabei besonderer Beliebtheit und erklang dann auch am Sonntagabend im WCCB. Eingerahmt von den beiden Chorwerken bestach die Interpretation der Sinfonie durch einen wunderbar transparenten Orchesterklang, der Konturen behutsam herausarbeitete und vor allem im zweiten Satz die melodischen, rhythmischen und dynamischen Facetten der Musik zum Funkeln brachte.

Der 114. Psalm „Da Israel aus Ägypten zog“ für achtstimmigen Chor und Orchester op. 51 von Mendelssohn Bartholdy hatte zuvor den Auftakt gemacht. Die effektvolle Gestaltung des Werkes bestens nutzend gaben vor allem die beiden Chöre schon mal eine erste klangvolle Visitenkarte ab.

Als drittes und abschließendes Werk kam Ferdinand Ries‘ zweitteiliges Oratorium „Der Sieg des Glaubens“ zur Aufführung. Das Oratorium verzichtet völlig auf Handlung und besteht stattdessen aus einem philosophischen Diskurs über die Kraft des Glaubens und die Gnade Gottes. Trotz des harmonisch und rhythmisch reizvoll gestalteten Orchesterparts, den das Orchester Rheinton flexibel und zuverlässig leistete, lenkten die eindrucksvollen Chor- und Ensemblesätze sowie die gelegentliche Aufteilung in Frauen- und Männerchor die Aufmerksamkeit auf die Sangeskunst als solche. Die Solisten Robin Johannsen (Sopran), Marion Eckstein (Alt), Corby Welch (Tenor) und Matthias Winckhler (Bass) glänzten bei der am Sprachfluss orientierten Textausdeutung. Dem standen die Chöre in nichts nach: Sicher geführt von Spering meisterten sie ihren Part mit sehr guter Artikulation, durchweg sauberer Intonation und nicht nachlassender Intensität.