Rhöndorfer Künstler portraitierte die Großen der Welt

Die Nachbarschaft zu Adenauer in Rhöndorf und die Nähe zu Bonn haben Ernst Günter Hansings Kunst Impulse gegeben. Er hat weltweit beachtete Deutungen so unterschiedlicher Menschen wie Anne-Sophie Mutter und Mutter Teresa geschaffen. Am Montag verstab der Künstler in Rhöndorf.

Rhöndorf. Was man von Ernst Günter Hansing und seiner Kunst lernte: Er öffnete die Augen für das Wesen eines Menschen. Er war "zum Sehen geboren, zum Schauen, zum Durchschauen bestellt." Die Arbeit des am 15. Juni 1929 geborenen expressiven Malers und Bildhauers war von der Herkunft aus Noldes Norden, von Frankreich, Rom, Rhöndorf und Bonn geprägt. Am Montag ist er im Alter von 81 Jahren in Rhöndorf gestorben.

Wer den Dichter will verstehen, soll in "Dichters Lande gehen". Dieser Rat gilt erst recht für Maler. Wer die Kunst von Ernst Günter Hansing betrachten und begreifen möchte, sollte sich Orte, Erlebnisse, Begegnungen mit ihm und Menschen vergegenwärtigen, die dieses - nicht im materiellen Sinne - reiche Leben eines Porträtisten von Weltrang, expressiv-abstrakten Malers, Grafikers und Bildhauers geprägt haben.

Hansing war einer der bildenden Künstler, die über ihre Kunst und die Verbindungen mit anderen Menschen, ihre Welt-Anschauung, anschaulich reden konnten. Hansing war eine "Seh-Hilfe". Zum Beispiel angesichts seiner Herkunft aus Kiel.

Es gibt kein anderes deutsches Land wie Schleswig-Holstein, wo er geboren wurde, in dem man auf so engem Raum dramatischere Gegensätze wie die von Nord- und Ostsee erlebt. Unter einem Himmel weiter Horizonte, von Licht und Gegenlicht, mit Farben, wie sie Emil Nolde begeisterten und die in seinen Bildern leuchten. Bei ihm und in seiner Heimat hat Hansing im übertragenen Sinn gelernt, noch ehe er daran dachte, als Maler selbst die expressive Kraft der Farben einzusetzen.

Von Hansing wurde der Erfahrungssatz bestätigt, dass "Kunst von Können kommt." Bevor er der vielseitige freie Künstler wurde, lernte er Goldschmied. Er begann nach schwerer Krankheit, als Autodidakt zu malen. Ermutigt von Emil Nolde: "Lassen Sie sich von Ihrem Weg nicht abbringen."

Zu seinem Lebenswerk gehörten auch die Kunst am Bau, ebenso Glasfenster, die einer evangelischen Gemeinde seiner Heimat einst als "zu katholisch" erschienen, weshalb sie entfernt wurden, Mosaiken und die Kapelle der Pallottinerinnen in Rom, die Gestaltung von Mantel und Mitra des polnischen Papstes, große Metall-Plastiken, die der Materie explosiv die Schwere nehmen wie die am Rheinufer zur 2000-Jahrfeier der Stadt Bonn oder an der Außenwand des Presseclubs in Bonn.

Frankreich galt seine Liebe. Der von Hansing porträtierte Konrad Adenauer fragte ihn, ob sein Blau aus den Kathedralfenstern Frankreichs, den Farbenwundern von Chartres, stamme. "Ja, so war es."

Lange Zeit hatte Hansing deshalb neben seiner Atelierwohnung in der Nähe des Adenauer-Hauses von Rhöndorf ein Atelier in Paris. Hansing: "Ich bin nicht nur deutsch, sondern ebenso frankophil und italophil. Ich empfinde mich als europäischen Maler." Das bezeugen seine intensiven Begegnungen in Frankreich mit Clara Malraux und Präsident Mitterrand und die daraus entstandenen Porträts.

Die Nachbarschaft zu Adenauer in Rhöndorf und die Nähe zu Bonn haben seiner Kunst Impulse gegeben. Zwischen Porträt und Abstraktion hatte er weltweit beachtete Deutungen so unterschiedlicher Menschen wie Anne-Sophie Mutter und Mutter Teresa geschaffen, keineswegs nur von Päpsten, Bischöfen und Politikern. Gerade Schwierige wie Herbert Wehner fühlten sich von ihm verstanden.

Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl wurde einmal gefragt, ob er sich von Hansing durchschaut fühle. Kohl: "Nein, nicht durchschaut, aber erkannt und beurteilt."