Rasanter Zugriff aufs besonders Populäre

Bernd Glemser im Bonner Beethoven-Haus

Bonn. 1987 gewann der Pianist Bernd Glemser den ARD-Wettbewerb in München, was die heute längst internationale Karriere des Margulis-Schülers und 1989 jüngsten deutschen Klavierprofessors (Saarbrücken) endgültig in Schwung brachte.

Glemser bestritt jetzt dem letzten Abend des Beethovensonaten-Zyklus im Rahmen des Beethovenfestes im Kammermusiksaal. Er hatte sich dafür gleich mehrere Highlights ausgesucht, zu Beginn die As-Dur-Sonate op. 26 mit ihrem schönen Variationensatz, danach die vielgeliebte "Mondscheinsonate" (cis-Moll op.17/2) und die "Les Adieux"-Sonate (Es-Dur op.81 a).

Das nicht so populär gewordene Schwesterwerk der cis-Moll-Sonate, Es-Dur op.27/1, gleichfalls mit "Sonata quasi una fantasia" überschrieben und dementsprechend locker gefügt, erklang ebenfalls und auch die anmutige, leicht sentimentalische E-Dur-Sonate op.14/1.

Was bei Bernd Glemser von allem Anfang an besonders ins Ohr fiel, das waren ein primär sehr kraftvoller Zugriff und die Tendenz zu starken, oft geradezu hammerharten Akzenten.

Das prägte schon das melodiöse Andante con variazioni der As-Dur-Sonate und nicht zuletzt auch deren großartigen Trauermarsch. Rasant und energisch wurden die Allegri der As-Dur- und der Es-Dur-Sonate angegangen und und erst recht das Presto agitato der "Mondscheinsonate". Deren heikles, weil so überstrapaziertes Adagio sostenuto gelang ausdrucksgenau und ohne jeden Anflug von Sentimentalität.

Die hübsche E-Dur-Sonate op.14/1 hätte man sich dann insgesamt wohl noch etwas klangdifferenzierter denken können.

Bei der großen "Les Adieux"-Programmsonate zum Beschluss des Abends konnte Glemser - der die ersten beiden Sätze mit feiner Ausdrucksintensität nachgezeichnet hatte - beim Jubel-Finale dann wieder so recht ins Volle greifen.

Und er tat dies mit solchem Temperament, dass es danach besonders begeisterten Applaus geben musste.

Glemser bedankte sich mit einer Kostbarkeit aus der Feder des großen Beethoven-Verehrers Schumann, der Arabeske op. 16, bei der er zeigte, wie subtil klangabgetönt und agogisch reich er auch zu gestalten weiß.