Kulturpolitik

Provinzmuseum im Iran soll mit Kooperation der Bundeskunsthalle entstehen

Bonn. Die Bundeskunsthalle kooperiert mit dem Iran: In Yazd – das Wassersystem der Altstadt wurde gerade zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt – soll mit Expertenhilfe aus Deutschland ein Provinzmuseum entstehen.

"Das wollen wir auch“, sollen die offiziellen Besucher aus dem Iran in der Bonner Ausstellung „Iran. Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste“, mit der die Bundeskunsthalle ein ungemein spannendes Kapitel Kulturgeschichte aufschlägt, ausgerufen haben. Die Besucher waren fasziniert von der Präsentationsform der Schätze, die mitunter erstmals den Iran verließen. Diese Ausstellungstechnik auf höchstem Niveau weckt Begehrlichkeiten. Susanne Annen, Projektleiterin der Bonner Ausstellung und seit Jahren immer wieder im Iran unterwegs, rät zum Realismus.

Was in Bonn mit einer komplexen, mitunter betreuungsintensiven Technik funktioniere, lasse sich nicht einfach auf eine Wüstenstadt übertragen – mit Minusgraden in Dezember und Januar und Spitzentemperaturen von 40 Grad und mehr im Sommer. In Yazd, einer der ältesten Städte des Iran, gelegen 250 Kilometer östlich von Isfahan, ist das so. In Yazd – das Wassersystem der Altstadt wurde gerade zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt – soll in einem alten Ensemble von Lehmbauten mit Expertenhilfe aus Deutschland ein Provinzmuseum entstehen.

Die Architektin Annen von der Bundeskunsthalle und die Archäologin Ute Franke, stellvertretende Direktorin des Museums für Islamische Kunst in Berlin, betreuen das Museumsprojekt in Yazd, zu dem ein zweites Projekt gehört: der Aufbau einer Datenbank der Sammlung des Nationalmuseums in Teheran. Die Bundeskunsthalle und die Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz – kooperieren dabei mit der „Iran Cultural Heritage, Handcrafts and Tourism Organization“ (ICHHTO). Finanziert wird das zweigleisige Projekt von der Gerda Henkel Stiftung mit 650 000 Euro.

Kulturelles Erbe soll bewahrt werden

In Yazd solle nicht ein weiteres archäologisches Museum im Iran entstehen, erläutert Annen, es gehe in erster Linie um das kulturelle Erbe, das in der Wüstenstadt nicht nur durch ihr antikes Wasserversorgungssystem, sondern auch durch das Textilhandwerk und die Technik von Lehmbauten geprägt sei. Dieses Erbe solle gerettet werden, sagt Annen, die zusammen mit lokalen Kräften am Konzept für das Pilotprojekt arbeitet: „Eine solche Zusammenarbeit ist dann eine Bereicherung, wenn sich beide Seiten darauf einlassen voneinander zu lernen. Ich habe in letzen Jahren der Arbeit im Iran vieles lernen dürfen. “ Und: „Es gibt immer mehrere Wege zum Ziel, manchmal ist die Arbeit in Yazd eine Entschleunigung zu der in Bonn.“ Susanne Annen schätzt den Austausch zwischen Architekten, Wissenschaftlern, Archäologen, Restauratoren und Studenten. Und da sei noch das angenehme Klima im Umgang mit der Henkel Stiftung: „Die Kooperation mit der Gerda Henkel Stiftung ist sehr konstruktiv und macht große Freude. Es ist das Anliegen der Stiftung, Projekte gemeinsam umzusetzen und nicht, Projekte zu verwalten.“

Es gehe nicht nur darum, ein Museumsprojekt zu realisieren, sagt Annen. In Workshops will sie Know-how in den Iran bringen. Bis Mitte 2020 – da soll das Provinzmuseum eröffnet werden („das ist sportlich, aber wir glauben, wir schaffen das“) – werden Museumsleute, Architekten und Marketingexperten aus Deutschland vor Ort von ihrer Arbeit berichten. Man treffe auf ein hohes Ausbildungsniveau – „es ist eine Arbeit auf Augenhöhe“. Und es gebe einen unheimlichen Enthusiasmus gerade auch unter den vornehmlich jungen Mitarbeitern.

Wertvolle Erfahrungen aus Asien und dem Orient

Susanne Annen bringt viele Eindrücke mit in das Iran-Projekt. Sie hat vier Jahre lang für die Gandhara-Ausstellung („Das buddhistische Erbe Pakistans“, 2008/2009) der Bundeskunsthalle in Pakistan recherchiert, war drei Jahre lang Beraterin des Kulturministeriums von Afghanistan und in dieser Eigenschaft beim Aufbau des Nationalmuseums, für Kulturstätten, Provinzmuseen und die Rettung und den Erhalt des Kulturguts im kriegsgebeutelten Land aktiv. Im Juli 2011 kam sie zurück nach Bonn. Was sie mitgebracht hat, waren unter anderem wertvolle Erfahrungen.

„Wir haben die Uhr, die Kollegen in Iran haben die Zeit“, sagt sie amüsiert über diesen Kulturkreis, in dem Kommunikation alles ist. „Es gibt ein anderes Zeitempfinden und doch klappt alles“, sagt sie. Und wie funktionierte das im Alltag? Wurde sie als Frau respektiert? Sie habe im Iran natürlich Kopftuch getragen, was ihr überhaupt nichts ausmachte, erzählt sie. In den Familien wurde sie herzlich aufgenommen, es laufe alles über die familiäre Schiene. Als Frau sei sie da im Vorteil, sei sofort akzeptiert worden. Die Kommunikation als Ritual: Das musste sie erst lernen. Man rede über die Familie, das Wetter, das Haus – bis es zum Thema komme, das man eigentlich besprechen wolle. Dem pragmatischen, zielgerichteten Mitteleuropäer verlangt das Geduld und Disziplin ab. Annen schätzt diese Art der Kommunikation: „Kooperationen wie die zwischen der Bundeskunsthalle und dem Iran laufen über die Herzen.“

Und die Politik? Annen beobachtet die Lage sehr genau, will sie aber nicht näher kommentieren. Die Situation sei mitunter schwierig, aber das Projekt werde dadurch nicht berührt.