"Weltweite Klänge"

Projekt der Jesuitenmission gastiert am Samstag am Ako

Proben für das heutige Konzert: (von links) Julia Kalbfleisch, Philipp Sohr und Maria Conzen.

BAD GODESBERG. Zwar haben Julia Kalbfleisch, Philipp Sohr und Maria Conzen schon gemeinsam im Orchester gespielt. Auch Auftritte sind den - teilweise ehemaligen - Schülern des Aloisiuskollegs (Ako) nicht fremd. Dennoch wird alles anders sein, wenn sie am Samstag um 17 Uhr in der Kirche am Ako gastieren.

 Im Rahmen des internationalen Jugendmusikprojekt "Weltweite Klänge", die zum fünften Mal von der Jesuitenmission Deutschland (dem Hilfswerk des Jesuitenordens) organisiert wird, stehen sie mit rund 30 anderen Musikern aus vier Kontinenten auf der Bühne. Und ihre Orchesterkollegen, mit denen sie sonst musizieren, hören ihnen zu.

"Es ist ganz anders, wenn die Leute aus dem Orchester auf einmal im Publikum sitzen", sagt Julia Kalbfleisch. Die 18-Jährige hat, genau wie die 20-jährige Maria Conzen, im vergangenen Jahr ihr Abitur am Ako gemacht und gehört damit streng genommen nicht mehr zu den Schülern. Als sie gefragt wurde, ob sie bei dem Projekt "Weltweite Klänge" mitmachen wollte, war sie trotzdem sofort Feuer und Flamme. "Es ist eine gute Chance, neue Leute kennenzulernen. Außerdem ist es eine Sache, die mir Spaß macht."

Teilnehmen können Jugendliche und junge Erwachsene, die eine Jesuitenschule wie die musikalisch geprägte "Ghandi Ashram School" in Nordindien besuchen. Allerdings bewirbt man sich - man wird ausgesucht. Ein Kriterium ist häufig das Instrument, das gespielt wird, erklärt Lehrer Robert Wittbrodt. Bei den beiden Abiturientinnen ist das die Geige, der 18-jährige Philipp Sohr ist wegen seiner Posaune dabei.

Aber auch musikalische Erfahrung ist wichtig. Denn die Teilnehmer, die unter anderem aus Paraguay, Indien, Kolumbien, Uganda und ganz Deutschland stammen, kennen sich nur teilweise. "Es gibt vier Tage Probezeit, und danach jeden Tag ein Konzert", erklärt Philipp Sohr. Die finden hauptsächlich in Deutschland, aber auch in der Schweiz und in Italien statt. Dabei geht es nicht nur um die Musik: Die Jugendlichen kommen in Gastfamilien unter und lernen so eine andere Kultur kennen. Die ersten Tage haben sie Zeit zum Kennenlernen, beispielsweise beim gemeinsamen Kochen oder in kleinen Sprachkursen. Dann schließt sich die Probenzeit an. Ziel ist es - neben der musikalischen Arbeit - Kontakte zu knüpfen und vielleicht sogar Freundschaften zu schließen.

Für viele Jugendliche sind die "Weltweiten Klänge" die einzige Möglichkeit, einmal an einem solchen Projekt teilzunehmen, da die Familien nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen. Laut Wittbrodt trägt sich das Projekt aus Spendengeldern, der Jesuitenorden stellt davon die Reisekosten und die Verpflegung.

"Am Anfang hatten einige Nachwuchsmusiker selbst gebaute Instrumente dabei", erzählt Wittbrodt. So hatte einer ein Cello aus einem Tischbein hergestellt, ein anderer funktionierte einen Kanister kurzerhand zur Geige umfunktioniert. "Diese Instrumente sind immer noch dabei", sagt Wittbrodt.

Die Instrumente stammen von einer riesigen Müllhalde in Paraguay. Mitarbeiter der landesweiten Musikbildungsinitiative "Sonidos de la Tierra", das vom Jesuitenorden gefördert wird, bauen sie dort aus Schrottteilen zusammen. Die drei Ako-Schüler auf jeden Fall sind gespannt - und ihre Familien und Freunde auch. "Meine Mutter ist ganz begeistert", sagt Maria Conzen. So ist sie natürlich heute beim Konzert dabei.

Das Programm
Das Programm bei den Konzerten ist vielfältig: Die Nachwuchsmusiker aus Asien, Afrika, Südamerika und Europa präsentieren Stücke für Streichorchester, Big Band und Chor. Die kulturelle Vielfalt der Musiker soll zum Ausdruck kommen, außerdem wird Wert auf geistliche Musik gelegt. So gibt es Stücke von Duke Ellington und Karl Jenkins, aber auch Melodien aus Indien, Paraguay und Uganda. Die musikalische Leitung hat Max Röber aus Dresden, ihm zur Seite steht Nachwuchsdirigent José Miguel Echeverría aus Paraguay. Das Konzert in Bonn beginnt heute um 17 Uhr im Aloisiuskolleg, Elisabethstraße 18. Der Eintritt zu den Konzerten ist frei, um Spenden wird gebeten. Beim Konzert in Nürnberg wird außerdem eine

CD produziert. Die wird nicht verkauft, man kann sie bei der Jesuitenmission bestellen. Wer sie bekommt, zahlt dann so viel, wie er möchte. Die CD sowie weitere Infos unter www.jesuitenmission.de.