25 000 Zuschauer

Positive Bilanz für Bonner Stummfilmtage

Murnaus „Faust“ aus dem Jahr 1926.

Murnaus „Faust“ aus dem Jahr 1926.

Bonn. Insgesamt besuchten mehr als 25 000 Zuschauer den Arkadenhof an den Bonner Stummfilmtagen. Der Kurator zieht eine positive Bilanz.

Sonntagabend um kurz nach 23 Uhr im Arkadenhof der Bonner Universität: Die letzten Bilder des Stummfilms „Die Stadt ohne Juden“ nach Hugo Bettauers gleichnamigem Roman haften noch im Gedächtnis. Die letzten Akkorde von Günter A. Buchwalds (Piano und Violine) wunderbarer, zwischen Dezenz und Dramatik spielender Musik klingen noch nach.

Doch der Applaus ebbt noch lange nicht ab, während der Abspann über die Leinwand flimmert. Er gilt jedem der dort aufgeführten Namen – jedem Einzelnen, der über Crowdfunding die Restaurierung dieses Films erst ermöglicht hat. Und er gilt Nikolaus Wostry – Leiter des Filmarchivs Austria – der schon am Nachmittag bei seinem Vortrag im LVR-Landesmuseum und kurz vor Filmbeginn zum Ausdruck gebracht hat, was er von der Auseinandersetzung seiner Landsleute mit der Shoa hält, vom politischen Klima nicht nur der Wiener Heimatstadt und von der Tatsache, dass Österreich heuer offensichtlich keinen Heller übrig hat, um ein Projekt wie dieses zu unterstützen.

Nachdenkliche Worte und berührende Momente zum Abschluss der 34. Internationalen Stummfilmtage. Und bei Weitem nicht die einzigen bemerkenswerten Akzente, die das Bonner Sommerkino vom 16. bis 26. August gesetzt hat. Angefangen bei zum Teil hochsommerlichen Temperaturen bis in den späten Abend und hundertprozentiger Regenfreiheit an allen elf Tagen – über Besucherschlangen entlang des Uni-Hauptgebäudes in Richtung Kaiserplatz bis zur Programmauswahl von Kurator Stefan Drößler.

Insgesamt besuchten mehr als 25 000 Zuschauer den Arkadenhof. Zu den Höhepunkten dort zählten beispielsweise Murnaus „Faust“ und „Es war“, der aus der Garbo 1926 die Göttliche machte. Den kühlsten und zugleich monumentalsten Abend verbrachten die Stummfilmfreunde am 24. August mit „Ben Hur“.

Mit dem belgischen Film „Die Schwalbe und die Meise“ gab die Londoner Harfenistin Elizabeth-Jane Baldry ihr Bonner Debüt begleitet vom Multiinstrumentalisten Stephen Horne. Sogar für eingefleischte Kenner sehr eindrucksvoll war die Vorführung des tschechischen Kurzfilms „Spaziergang ins Blaue“. Auf Wunsch des Regisseurs Alexander Hackenschmied wurde der achtminütige Film ohne Musik, ganz stumm gezeigt.

Wie Drößler andeutete, ist die Programmarbeit für die nächste Ausgabe bereits im Gange. „Es gibt nach wie vor zahlreiche Werke aus der Frühzeit des Kinos neu zu entdecken und zu restaurieren. Wir sind jetzt schon gespannt auf die Schätze, die unsere Kollegen in den Archiven in der ganzen Welt gerade heben und die wir dem Publikum im nächsten August 2019 beim 35. Bonner Sommerkino zeigen können“, ergänzte Sigrid Limprecht, die Leiterin des Festivals.