Interview mit Konzertveranstalter

Positive Bilanz für Bonner KunstRasen

Bonn. Mehr als 60.000 Besucher kamen zu 15 Konzerten und einem klassischen Picknick auf den KunstRasen in der Bonner Gronau. Ein Interview mit Konzertveranstalter Ernst-Ludwig Hartz über die zu Ende gegangene Saison.

Das war ja ein spektakulärer Schlusspunkt auf dem KunstRasen! Symbolisiert das euphorische Konzert von Dog Eat Dog und Limp Bizkit auch Ihre Freude über den Sommer 2018?

Ernst-Ludwig Hartz: Unbedingt! Die Stimmung am Dienstagabend war fantastisch, vielleicht sogar besser als bei den Fanta 4, und wir hatten ein ganz anderes Publikum als an den anderen Abenden.

Die Konzerte waren unterschiedlich besucht. Weltstar Tom Jones zog gerademal 2200 Besucher, Fanta 4 waren mit 9500 Tickets im Nu ausverkauft. Zum Doppelkonzert von LaBrassBanda und Querbeat kamen 8000. Was schließt ein Konzertveranstalter daraus?

Hartz: Das es schwer vorauszusagen ist, was läuft oder was nicht. Und dass manche Themen doch nach Köln gehören!

In Köln hatten Sie auf dem Roncalliplatz drei ausverkaufte Konzerte mit Van Morrisson, Patti Smith und Joan Baez. Wäre Tom Jones dort auch ausverkauft gewesen?

Hartz: Davon bin ich überzeugt!

Wie kommt’s?

Hartz: Erstens wegen Köln, zweitens wegen der Bestuhlung. Diese zwei Faktoren habe ich unterschätzt.

In den vergangenen Jahren floppten Teenagerangebote wie die 257er oder die Lochis. Lina besuchten aber in diesem Sommer etwa 4000 junge Leute. Es scheint doch noch ein junges Publikum für den KunstRasen zu geben, oder?

Hartz: Klar, es muss das richtige Thema sein – dann kommen auch die jungen Leute.

So wie zu Limp Bizkit. Kommen in Zukunft wieder mehr Bands der härteren Gangart?

Hartz: Mit Limp Bizkit war das einfach Glück. Ansonsten hängt eben alles vom Angebot ab.

Was hat Sie in diesem Jahr besonders enttäuscht?

Hartz: Dass ich bei einigen Einschätzungen was die Besucheranzahl angeht danebengelegen habe. Wir sind zufrieden mit dem Sommer. Ich hätte mir aber für Tom Jones, Steven Wilson, Moop Mama/Bukahara und Freundeskreis mehr Besucher gewünscht.

Wobei das alles großartige Auftritte waren. Wilson und Bukahara spielen sonst in ausverkauften Hallen. Nochmal: Wieso zieht das in Bonn kein Publikum an?

Hartz: Ich kann nur mutmaßen. Steven Wilson hat eine ausverkaufte Hallentour hinter sich. Liegt es am unbestuhlten KunstRasen? Moop Mama/Bukahara war ein tolles Paket zu einem guten Ticketpreis… Ich weiß nicht, woran es liegt.

Das trockene Sommerwetter muss für eine Open-Air-Saison doch eigentlich fantastisch sein, oder?

Hartz: Ja, aber zu heiß ist dann auch nicht optimal. Solch ein gutes Wetter über die letzten acht Wochen, das war auf jeden Fall klasse. Ein heftiger Schauer zum Einlass bei Steven Wilson – das war es mit dem Regen in diesem Jahr.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Hartz: Steve Winwood, Steven Wilson, Fanta 4, aber Limp Bizkit hat mich wirklich überrascht.

Sieben Jahre KunstRasen liegen hinter Ihnen. Das Programm war jedes Jahr recht unterschiedlich. Mal große internationale Namen wie Bob Dylan oder Lou Reed, dann wieder viele deutsche Künstler. Dieses Jahr gab es einen ziemlichen Mix an Musikrichtungen. Wie kam‘s?

Hartz: Ich versuche jedes Jahr eine gute Mischung an Künstlern für jeden Geschmack zu verpflichten – das klappt aber nicht immer. Es hängt immer davon ab, wer wann auf Tour und ob er für Bonn bezahlbar ist.

Ich habe den Eindruck, dass das Publikum nicht nur aus der näheren Region kommt. Hat sich der KunstRasen endgültig etabliert?

Hartz: Definitiv, alleine am Dienstag hat sich das gezeigt – die Fans kamen auch aus Holland, Belgien oder Luxemburg.

Die Stadt Bonn will endlich eine Grundlage für die Bühnenaufbauten einrichten. Hilft das?

Hartz: Auf jeden Fall! Ich muss auch sagen, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn in diesem Jahr wieder toll geklappt hat. Und was mein kleines Team auf die Beine stellt, ist auch aller Ehre wert.

Wie sieht es mit der nächsten Saison aus? Nena steht ja schon auf dem Programm.

Hartz: Wir planen die Konzerte in der achten Saison vom 27. Juni bis 21. August. Ich verhandele gerade mit einigen interessanten Künstlern für Bonn und hoffe, dass wir im September Namen nennen können. Ich möchte den Fans auf jeden Fall wieder ungewöhnliche Kombis bieten – so wie Fischer Z und Simple Minds oder John Illsley und Roger Hodgson. So etwas hat es in Deutschland noch nicht gegeben.