Schumannfest in Bonn

Pianistin Ottavia Maria Maceratini verbindet Musik und Kampfkunst

Virtuosin am Klavier und im Kampfsport: Ottavia Maria Maceratini.

04.06.2014 BONN. Es war der Beginn einer großen Leidenschaft: Als die damals noch ganz junge Ottavia Maria Maceratini hörte, wie ihre Klavier-Professorin Elisso Wirssaladze Musik von Robert Schumann spielte, war es um sie geschehen.

"Ich war total ergriffen", erinnert sich die heute 28-Jährige, "und seitdem ein großer Schumannfan. Ich würde sogar sagen, das Verhältnis zu ihm ist wie eine Beziehung zu einem Menschen, obwohl er physisch gar nicht da ist." Kein Wunder, dass sie nach einem programmatisch sehr bunten CD-Debüt ihr zweites Album vor zwei Jahren Schumann widmete.

Sie spielte so gut, dass der Münchner Merkur ein Porträt der Pianistin mit der Überschrift "Auf dem Sprung zur Weltkarriere" überschrieb. Am Samstag, 7. Juni, gratuliert sie ihrem Klavier-Idol Schumann sozusagen persönlich zum Geburtstag, wenn sie auf Einladung des Schumannfestes ein Konzert im Endenicher Schumannhaus geben wird.

Auf dem Programm steht natürlich Musik des Genius loci. Die seit ihrem Studium bei Elisso Wirssaladze in München lebende Italienerin hat sich für die Klaviersonate in g-Moll und die Abegg-Variationen entschieden. Die Sonate ist auf der CD "Untitled" zu hören. Man darf aber davon ausgehen, dass nach zwei Jahren keine Live-Kopie der Studio-Produktion zu erwarten sein wird. "Sonst könnte ich ja aufhören zu spielen", findet sie.

"Schumann selbst hat ja gesagt, des Lernens gibt es kein Ende." Das nimmt sie sich bei ihren Interpretationen zu Herzen. Sie befragt die Stücke immer wieder neu.

"Ich versuche, der Musik immer so nah wie möglich zu kommen. Aber sie ist zum Glück so großartig, dass die ideale Interpretation immer ein Traum bleibt, der sich nie erfüllen lässt. Deshalb hat man jedes Mal die Möglichkeit, über sich hinauszuwachsen. Ich spiele die Sonate heute anders und hoffe, dass ich sie in zehn Jahren wieder anders interpretieren werde." Aber auch die eigene Lebenssituation färbt auf eine Interpretation ab. "Das Leben selbst ist die Nahrung der Musik", sagt sie.

Auf der CD spielt Ottavia Maria Maceratini auch die Symphonischen Etüden Schumanns, die zum Schwierigsten gehören, was der Komponist sich fürs Klavier ausgedacht hat. Wenn sie solche Stücke aufnimmt oder aufführt, sind Gedanken über Fingersätze längst Vergangenheit. Sobald sie am Klavier sitzt und "in diesen Rausch eintaucht", wie sie sagt, ist einfach kein Platz mehr für solche Dinge. Sie befindet sich dann längst in einer Phase, in der Klangvorstellung und Technik eins geworden sind, wo "der Körper dem Geist folgt".

Diese Verschmelzung von Körper und Geist trainiert sie auch in der japanischen Kampfkunst Bujinkan. "Das war auch der Grund, weshalb ich damit angefangen habe", sagt sie. Die Kampfkunst ist für Ottavia Maria Maceratini mehr als ein Feierabend-Fitnessprogramm, sie ist eine Kunstform. Die Pianistin glaubt, dass jede Kunstform im Grunde auf denselben Prinzipien beruhe.

Doch obwohl Ottavia Maria Maceratini sich seit ihrer Kindheit mit fernöstlicher Kampfkunst beschäftigt, zudem die von dem erklärten Zen-Buddhisten und Dirigenten Sergiu Celibidache formulierten Ideen zu einer "Phänomenologie der Musik" gründlich studiert hat, sieht sie sich eher nicht der fernöstlichen Philosophie verpflichtet. Aber sie schätzt an den fernöstlichen Gedankenwelten die Nähe zum Leben.

Für Ottavia Maria Maceratini wäre wohl auch jede ideologische oder philosophische Bindung ein Graus. Sie geht halt mit offenen Augen und Ohren durch die Welt, immer bereit, neue Eindrücke aufzunehmen. Das spiegelt sich auch in ihren Programmen wider. In der im Schumannhaus zu hörenden Zusammenstellung findet sich neben Schumann, Chopin und Schubert auch der Name John Fouls.

Der Brite wurde 1880 in Manchester geboren und starb 1939 in Kalkutta an der Cholera. Von ihm wird Samstagabend der "Persian Love Song" erklingen, Musik "fast wie eine Improvisation", findet die Pianistin, und stark geprägt von persischer Folklore. Dieses musikalische Kleinod kann man auch als Vorgeschmack auf einen Auftritt im nächsten Jahr in der Berliner Philharmonie hören. Dann bringt die Pianistin Fouls ganz groß heraus: Dann nämlich ist sie Solistin in dessen "Dynamic Triptych" für Klavier und Orchester. Ein tolles Stück. Würde man auch gern hier hören.

Freitag, 6. Juni, 18 Uhr: Rainer Aschemeier im Gespräch mit Ottavia Maria Maceratini. Eintritt frei.

Samstag, 7. Juni, 20 Uhr, Konzert zum Geburtstag von Robert Schumann mit Ottavia Maria Maceratini. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen. (Bernhard Hartmann)