Jazzfest Bonn 2015

Peter Materna hat sein Programm zusammen

BONN. Die Jazz-Diva Dianne Reeves und der Jazz-Gott Wayne Shorter, der begnadete Tüftler Nils Petter Molvær und ein Dutzend weiterer Spitzenmusiker gaben sich Ende Mai, Anfang Juni beim Jazzfest Bonn die Klinke in die Hand. Wie lässt sich das toppen?

Peter Materna, selbst Jazz-Saxofonist und der Macher dieses erfolgreichen Festivals, lächelt breit und holt entspannt den Entwurf fürs Plakat der sechsten Jazzfest-Auflage (7. bis 16. Mai 2015) aus dem Kopierer, deutet auf einen Entwurf für den Programmflyer, der gerade beim Drucker ist: "Ich habe nur ganz nebenbei auf Namen geachtet, die Big Names sind diesmal nicht dabei", sagt er, "diese Musiker lassen sich ohnehin nicht in eine Schublade stecken - das ist Jazz." Was ihn interessiert: "Qualität, Qualität, Qualität - es geht um Musik."

Um Namen letztlich wohl auch. Dass es ihm gelungen ist, Nigel Kennedy nach Bonn einzuladen, macht ihn stolz. Materna hat lange darum gekämpft. Kennedy, Enfant Terrible auf der Geige, der 1989 mit seiner aberwitzig schnellen und originellen Interpretation und Einspielung von Vivaldis "Vier Jahreszeiten" alle Rekorde auf dem Klassikmarkt brach, hat sich vor Jahren schon zu anderen musikalischen Ufern aufgemacht.

1997 entdeckte er Jimi Hendrix für sich, 2003 brachte er Bach und Miles Davis zusammen. In Bonn wird der erste Popstar der Klassikszene einen Relaunch seines Hendrix-Programms mit krachenden E-Gitarren und Geigenfurioso als Weltpremiere herausbringen. Dass am gleichen Abend im Telekom-Forum Rebecca Trescher mit ihrem Elftett Harfen- und Cello-Jazz liefert, ist ein feiner Schachzug Maternas, dem es immer wieder darum geht, Musiker und Musiken interessant zu mischen und so alle Facetten des Jazz auszubreiten.

Das sechste Jazzfest wird von starken Frauen dominiert: Allein zwei herausragende Drummerinnen, Marilyn Mazur und Terri Lyne, werden kommen, man darf sich ferner auf wunderbare Stimmen freuen. Die junge Soul-Sängerin aus Georgia, Lizz Wirght, die in einem Atemzug mit Dianne Reeves und Angéliqie Kidjo genannt wird, ist ebenso dabei wie die experimentierfreudige, in Berlin lebende Efrat Alony aus Haifa, die mit einem tollen Kammerjazz-Trio kommt.

Ferner die grandiose Dänin Marilyn Mazur mit ihrem fernöstlich anmutenden Projekt "Celestial Circle" und der Mitsängerin Josephine Cronholm. Nicht zu vergessen: die deutsche Jazzsängerin Ulita Knaus, die gerade das schöne Album "The Moon on My Doorstep" herausgebracht hat und das Jazzfest am 7. Mai im Posttower eröffnen wird.

Wo wir bei den Stimmen sind: Michael Schiefels ätherischer Sopran mit der "rauchigen Farbgebung der großen Crooner Frank Sinatra und Dean Martin" fiel schon der FAZ auf. Ein echtes Abenteuer: Der 44-jährige Schiefel kommt mit der 70-jährigen Vibraphonlegende David Friedman nach Bonn. Am gleichen Abend im Volksbank-Haus ist auch der Bonner Jazz-Flötist Michael Heupel solo zu hören.

Ein weiterer Schwerpunkt des 6. Jazzfests ist die Trompete: mit dem glänzenden Improvisierer Peter Evans, den exzellenten Frederik Köster und Enrico Rava sowie dem hinreißenden Franco Ambrosetti, der mit einer wahren Starcombo (Greg Osby, Terri Lyne) nach Bonn kommt.

Schließlich noch der hierzulande längst nicht so wie in seiner französischen Heimat gefeierte Startrompeter Erik Tuffaz. Ein Soundtüftler und Energiebündel, der die WDR Big Band in der Bundeskunsthalle aufmischen wird. Zweites Big-Band-Projekt: Der junge Komponist und großartige Arrangeur Stephan Schultze kommt mit seinem 18-köpfigen, hochkarätig besetzten "Large Ensemble" nach Bonn in die Uni-Aula, ein neuer Spielort des Jazzfests.

Als Geheimtipp präsentiert Materna die 28-jährige Pianistin Julia Kadel mit ihrem Berliner Trio, die gerade ihre Debüt-CD "Im Vertrauen" herausgebracht haben. Groovigen und funkigen Jazz serviert Anke Helfrich mit ihrem Trio. Die Gitarrenfraktion ist 2015 auch stark besetzt: Der große Pat Martino startet seine Europatour in Bonn, Norbert Gottschalk, Hanno Busch und Wolfgang Muthspiel sind weitere Vertreter dieser Zunft, auf die man sich freuen kann.

Info

Peter Materna startet am 28. November den Vorverkauf, wenige Tage zuvor steht das Programm auf www.jazzfest-bonn.de