Bonner Schauspieler Rolf Mautz

Original und Täuschung

Kampf ums Bild: Rolf Mautz und Lena Sabine Berg.

Kampf ums Bild: Rolf Mautz und Lena Sabine Berg.

Der Bonner Schauspieler Rolf Mautz glänzt im Heidelberger Zimmertheater. Mautz, unter der Intendanz von Klaus Weise beliebtes Mitglied des Bonner Schauspiel-Ensembles, spielt in der Komödie „Das Original“ des Amerikaners Stephen Sachs.

Es gibt sie regelmäßig, diese spektakulären Dachboden- oder Flohmarktfunde. Der prominente Kunstexperte Lionel Percy hat sich immerhin die Mühe gemacht, mit dem Privatjet einer Kulturstiftung aus New York anzureisen zur Begutachtung des angeblichen Pollock-Gemäldes, das die Ex-Barfrau Maude Gutman für drei Dollar in einem Trödelladen erstanden hat. Weil sie es „potthässlich“ fand und allenfalls für alkoholgeschwängerte Schießübungen tauglich. Maude, wohnhaft in einem ärmlichen südkalifornischen Trailer-Park, hatte den Namen des Künstlers Jackson Pollock nie gehört, bis der Kunstlehrer ihres Sohnes sie darauf brachte. Und jetzt ist da dieser ältere Herr im feinen Anzug, der mit seinen kunsthistorischen Tiraden und seinem klassischen stilkritischen Instrumentarium die Echtheit der abstrakten Farborgie nicht bestätigen will.

Rolf Mautz, unter der Intendanz von Klaus Weise beliebtes Mitglied des Bonner Schauspiel-Ensembles, spielt mit hochnäsiger Eloquenz brillant den feinsinnigen Connaisseur. Deutlich angewidert von dem bildungsfernen Provinz-Sumpf der selbstbewussten Proll-Lady (mit leicht rheinischem Zungenschlag: Lena Sabine Berg), die außer Whiskey und Pistolen auch Angriffe unter der Gürtellinie nicht verschmäht beim Kampf um ein Bild, das ihrem verkorksten Leben einen Sinn verliehen hat. Und sie hat Beweise für die Echtheit des Kunstwerks, das auf dem Markt glatt eine dreistellige Millionensumme bringen könnte. Aber sie will das Geld gar nicht, obwohl schon ein gutes Angebot aus Saudi-Arabien vorliegt.

Die 2012 in Los Angeles uraufgeführte Komödie „Das Original“ des Amerikaners Stephen Sachs reicht zwar nicht an den Welterfolg „Kunst“ von Yasmina Reza heran (steht demnächst wieder auf dem Spielplan der Bonner Kammerspiele), ist jedoch ein kleines psychologisches Meisterwerk mit witzigen Seitenhieben auf den Kunstbetrieb. Das Stück basiert auf einer wahren Geschichte, spielt aber intelligent mit den Konzepten von Authentizität und Fiktion. Ute Richter, seit mehr als 30 Jahren Chefin des 1950 gegründeten privaten Zimmertheaters Heidelberg, hat „Das Original“ höchst unterhaltsam inszeniert, setzt präzise sprachliche Pointen, zeigt jedoch vor allem mit sicherem Blick für dramatische Situationskomik den Zusammenprall zweier extrem verschiedener Charaktere. Richter, ebenso zierlich wie energisch, ist in der Stadt am Neckar längst eine Institution und die Seele der kleinen Hinterhof-Bühne im zweiten Stock eines Altstadthauses an der Heidelberger Hauptstraße direkt neben dem Stadttheater. Seit der Premiere des „Originals“ am 16. Juni sind die 93 Zuschauerplätze fast immer ausverkauft. Deshalb wurde die Aufführungsserie verlängert bis zum 25. September.

Mehr als 50 Mal hat Mautz den arroganten Kunstpapst Lionel (Vorbilder gibt’s reichlich) bereits gespielt und genießt die Nähe zum Publikum sehr. Im Oktober beginnen schon die Proben am Stadttheater Klagenfurt, wo er ab Ende November als Herr Salz im Kinderstück „Der Lebkuchenmann“ zu erleben ist und ab April 2017 auf der großen Bühne in Nestroys „Talisman“. Mit Schein und Sein hat auch diese österreichische Komödie eine Menge zu tun.

Das von Ute Richter für ihr „Original“-Bühnenbild bei der Künstlerin Gerlinde Britsch in Auftrag gegebene große Pollock-Gemälde ist übrigens eine „echte“ Fälschung. Völlig zufällig läuft indes gleich um die Ecke in der Heidelberger Universitätsbibliothek bei freiem Eintritt eine Ausstellung unter dem Titel „Fake – Fälschungen, wie sie im Buche stehen“, die wie ein Kommentar zum Stück erscheint. Hier ist vieles versammelt von folgenschweren wissenschaftlichen Irrtümern bis zu dreisten Betrügereien. Zu besichtigen sind auch Originale des talentierten Künstlers Beltracchi.

Weitere Infos und Kartenbestellungen unter www.zimmertheaterhd.de