Festival Rolandseck

Orchestraler Werke sind eine Markenzeichen

Kleines Orchester: (von links) Rosanne Philippens, Alban Gerhardt, Ohad Ben-Ari, Chezi Nir, Chen Halevi und Gili Schwarzman.

Bonn. Der Pianist Ohad Ben-Ari ist im Zweitberuf auch Komponist und Arrangeur. Davon profitiert das Rolandseck Festival, das er gemeinsam mit dem Geiger Guy Braunstein leitet, ungemein. Die Bearbeitungen größerer Werke für unterschiedlichste Kammermusikbesetzungen sind längst so etwas wie ein Markenzeichen des Festivals geworden.

Am Montag begannen sechs Musiker den Abend mit den "Tänzen aus Glalanta", die der ungarische Komponist Zoltán Kodály ursprünglich für Orchester geschrieben hatte.

Ben-Ari, der selbst den brillanten Klavierpart übernahm, gelang hier eine sehr wirkungsvolle Neuorchestrierung, in der die Flötistin Gili Schwarzman ebenso virtuos und feurig in Erscheinung trat wie der Klarinettist Chezi Nir und der Hornist Chen Halevi an ihrer Seite. Auch die beiden Streicher, Rosanne Philippens (Violine) und Alban Gerhardt (Violoncello) agierten mit Leidenschaft. Ob das Reißen der Cello-Saite damit in irgendeinem Zusammenhang stand, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Chen Halevi, Ohad Ben-Ari sowie die Bratschistin Yuliia Deyneka glänzten anschließend mit mit Mozarts Kegelstatt-Trio.

Für den aktuellen Streichquartett-Schwerpunkt hat Guy Braunstein ein festes Ensemble zusammengestellt, mit ihm selbst als Primarius sowie Rosanne Philippens (2. Violine), Yulia Deyneka (Viola) und Zvi Plesser (Violoncello). Aufgeführt wurde Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 in c-Moll. Ein schmerzlich expressives Werk, dessen weite Largo-Klanglandschaften die Musiker quasi orchestral nachzeichneten. Das ließ durchaus berührend intime Momente zu, wie sie etwa Plesser mit seinem Cello im vierten Satz intonierte: Das war Musik von Schubert'scher Melancholie.

Zum Schluss gab es noch Béla Bartóks frühes Klavierquintett mit dem brillant und präzise ans Werk gehenden Pianisten Sunwook Kim. Besonders eindrucksvoll geriet den Musikern das Scherzo mit seinen komplexen, folkloristischen Rhythmen.