Legenden des Bebop

Oliver Pospiechs Small Big Band im Casino

Wenn alles stimmt: Small Big Band im Casino.

BONN. Es gibt Abende, an denen einfach alles stimmt: vor allem das, was scheinbar nicht zusammengeht. Big-Band-Sound im Pantheon Casino? Auf einer kleinen Bühne zwischen unverputzten Wänden: dort, wo sonst die Kleinkunst zu Hause ist?

Das heißt, nicht nur, seit der Bonner Tenorsaxofonist Thomas Kimmerle Ende September 2013 die Reihe "Jazz in Concert" gestartet hat. Die jetzt mit Oliver Pospiechs Small Big Band vor ausverkauftem Haus zweifellos einen ihrer Höhepunkte erlebte.

Der Posaunist - Gründer und Leiter der Bigband der Universität Bonn - legt gemeinsam mit seinem Oktett den Fokus auf die Bebop-Ära; speziell auf die Arrangements von Marty Paich für das legendäre Album "Art Pepper + 11" mit Klassikern von Charlie Parker und Dizzy Gillespie.

Kongenial umgesetzt von seinen "Jungs" und als Gast dem Altsaxofonisten Heiner Wiberny, dessen Diskografie aus den vergangenen 40 Jahren mehr als 100 Alben umfasst. Eine weitere Spezialität der "Small Big Band" ist die Besetzung mit Tuba und Waldhorn, die der kanadische Jazzmusiker Gil Evans seinerzeit erstmals auf die Bühne brachte.

"Art Pepper+11" erschien 1959 und ist neu verlegt worden, so dass sechs Stücke des Albums wieder zugänglich sind. Eine zweite "Einladung" brauchte Pospiech nicht, um sein Programm darum zu bauen. Begonnen bei "Bernie's Tune" über "Walkin" bis "Anthropology". Ein satter Sound, der die Wende vom Swing zum Bebop markiert und den Bandmitgliedern genügend Raum für bemerkenswerte Soli lässt; begleitet vom "Szenenapplaus" des Publikums.

Die Setlist des Abends kombiniert geschickt die energischen, vorantreibenden Stücke mit getrageneren Balladen. Dass sie nicht so lange so schnell spielen können, ist, Herr Pospiech, in diesem Fall allerdings pures "fishing for compliments".