Ragnhild Hemsing

Norwegische Geigerin mit dem Beethovenring ausgezeichnet worden

Gruppenbild mit Preisträgerin: (von links) Stephan Eisel, Sabine Schmid, Tor Espen Aspaas, Ragnhild Hemsing, Nike Wagner, Morten Walderhaug, Martin Schmid und Malte Boecker.

BONN. Kein Anfang und kein Ende: Der Ring mit seiner perfekten Kreisform steht für die Ewigkeit. Doch auch die Assoziation "Ringen um Vollkommenheit" bringt den Ring symbolisch in eine direkte Verbindung zu Ludwig van Beethoven.

So erklärte Malte Boecker, warum der Verein Bürger für Beethoven keinen besseren Preis hätte ausloben können als einen Beethovenring. Der Direktor des Beethoven-Hauses begrüßte das Publikum zur festlichen Verleihung im Kammermusiksaal. Aus den Händen des Vereinsvorsitzenden Stephan Eisel nahm die norwegische Geigerin Ragnhild Hemsing das aus 18-karätigem Gold geschmiedete Schmuckstück entgegen.

Die Damenversion des von Martin und Sabine Schmid gestifteten Rings ziert nicht nur ein Beethoven-Relief aus Palladium, er ist außerdem noch mit sechs Brillanten besetzt. Ein glänzendes Geschenk für eine glänzende Künstlerin.

Haushoch, so Eisel, hatte Hemsing die schriftliche Abstimmung der Bürger für Beethoven gewonnen, für die sich jeweils die fünf jüngsten Beethoven-Interpreten eines Beethovenfests qualifizieren. Als elfte Empfängerin der Auszeichnung befindet sich die Violinvirtuosin in erlauchter Gesellschaft - zu den Trägern des Beethovenrings zählen etwa auch Julia Fischer, Lisa Batiashvili und Gustavo Dudamel.

Das musikalische Programm der Preisverleihung trug den zwei Seelen der Ragnhild Hemsing Rechnung: Sie spielte, begleitet von Pianist Tor Espen Aspaas, nicht nur auf der klassischen Violine, sondern hatte auch ihre Hardangerfiedel mitgebracht, deren durch zusätzliche Resonanzsaiten hervorgerufener Silberklang einem großen Publikum unwissentlich vertraut ist: Das Rohan-Thema aus Howard Shores Filmmusik zum "Herrn der Ringe" wird von einer Hardangerfiedel intoniert.

Hemsing fiedelte norwegische Volksweisen, bevor sie mit Lasse Thoresens Violinfantasie "Yr" ein zeitgenössisches Werk vorstellte, das Elemente aus dem Hardanger-Formenrepertoire auf die klassische Geige überträgt - rhythmisches Fußstampfen inklusive. Im Gespräch mit Laudator Morten Walderhaug betonte Hemsing die Bedeutung der Improvisation für das Fiedelspiel: "Man lernt durch Hören, nicht nach Noten."

Das von Francesco Ruggeri 1694 in Cremona gebaute klassische Instrument mag nicht so hübsch verziert sein wie die Fiedel, aber Hemsing entlockt ihm einen tiefen, süßen Ton, dessen Eleganz und Geschmeidigkeit selbst den burschikosen Humor von Beethovens Sonate Nr. 8 mühelos wegsteckt. Dass auch Beethoven viel mit norwegischer Volksmusik gemeinsam haben kann, zeigte das Wirbelwindfinale der Sonate mit seiner Perpetuum-mobile-haften Verarbeitung eines folkloristischen Themas.

Zum krönenden Abschluss gab es Richard Strauss' Sonate für Violine und Klavier. Mit Bravour zündeten Ragnhild Hemsing und Tor Espen Aspaas ein brillantes Feuerwerk der Klangfarben, und der Pianist, der auch als launiger Moderator zu überzeugen wusste, hielt für das staunende Publikum noch eine Überraschung bereit: Im zweiten Satz verbirgt Strauss eine Improvisation über den langsamen Satz der "Pathétique", ganz deutlich zu hören in den letzten Takten, wo das zauberhafte Beethoven-Thema direkt zitiert wird.