Fritz Litzmann und Hermann Schwaderlappen

Noch ein bisschen Öl ins Feuer...

Norbert Alich, Rainer Pause

Streitbar seit 25 Jahren: Schwaderlappen (Norbert Alich) und Litzmann (Rainer Pause).

Bonn. Rainer Pause und Norbert Alich feiern im Bonner Pantheon die Premiere ihres zehnten Programms als Fritz und Hermann und sind seit 25 Jahren unschlagbar.

Im Jahr 1986 war's, da landete die schwedische Hardrockband Europe mit "The Final Countdown" einen Hit, der in 26 Staaten auf Platz eins der Charts kletterte und binnen der ersten zwei Jahre rund 7,8 Millionen Mal über den Ladentisch ging.

Nun wissen wir zwar nicht, ob Rainer Pause und/oder Norbert Alich im Besitz einer dieser Scheiben sind. Was wir aber sehr wohl wissen ist, dass sie das Stück zur Erkennungsmelodie für Fritz Litzmann und Hermann Schwaderlappen gemacht haben, die es ihrerseits mit einem unnachahmlichen Refrain versahen: "Alles wird neu, so wie's immer war."

Das gilt auch für die "Früchte des Zorns"; den neuerlichen Rundumschlag der streitbaren Kellerkinder aus dem Pantheon, die sich seit ihrem ersten gemeinsamen Auftritt 1990 noch an jedem Premierenabend nach spätestens fünf Minuten in den Haaren gelegen haben.

Diese sind darüber inzwischen weiß geworden. Zehn Programme in 25 Jahren: Das ist doch Grund zum Feiern. Und es gibt derer noch viel mehr, wie Litzmann mit dem unverwechselbaren Kichern resümiert: "100 Jahre Erster und 75 Jahre Zweiter Weltkrieg, ein Vierteljahrhundert Wiedervereinigung. Obwohl ... eigentlich, wenn der Putin die ehemalige DDR jetzt vielleicht auch..."

Da haben wir's doch wieder: Narrenfreiheit. So etwas sagt kein zweiter, ohne dass sein Gegenüber merklich zusammenzuckt. Wer versteht, uns derart gekonnt den Spiegel vorzuhalten, wie dieser Inbegriff rheinischer Vereinsmeierei im Doppelpack? Und siehe da: Es ist in diesem zehnten Programm tatsächlich alles neu, so wie's immer war. Neue Texte, neue Lieder, frisch ausgepackt und unverblümt serviert.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt setzen sich fort, und die Spekulationen dieser beiden Herrschaften über den bundesdeutschen Beitrag zum Pazifismus gewinnen bitterböse Aktualität: "Wir kämpfen nicht mehr selbst, wir liefern nur die Waffen, mit denen andere kämpfen können."

Chapeau. Denn harmlos sehen Fritz und Hermann bloß aus. Da kann Schwaderlappen noch so sonor tönen, während Litzmann zur Europahymne rappt. Und wir uns glücklich schätzen, dass die beiden gerade keine 50 Euro übrig haben, um 50 marode Kaufhausketten zu übernehmen und Millionen Mitarbeiter auf die Straße zu setzen.

Wenn man das nun alles Revue passieren lässt - zum Beispiel die Passage über 50 Millionen Flüchtlinge, die all ihr Erspartes dem Schlepper gegeben haben, so dass für die Maut nun leider kein Kleingeld mehr übrig bleibt - bekommt man plötzlich so eine Idee, warum dieses Programm so heißt, wie es heißt. "We Didn't Start The Fire" wäre übrigens auch ein guter Titel gewesen, wäre Billy Joel dem 1989 nicht schon zuvorgekommen. Sei's drum. Es passt: Nein, gezündelt haben Fritz und Hermann nicht. Aber ein bisschen Öl ins Feuer gießen - das können sie. Unschlagbar seit 25 Jahren.

Die nächsten Termine: 14. und 15. September. Karten im GA-Ticketshop und unter der Telefonnummer 0228/212521.