Neujahrskonzerte in Bonner Oper und Beethovenhalle sorgten für Begeisterung

Die Begeisterung von Heribert Beissel übertrug sich auf die Klassische Philharmonie, den Chur Cölnischen Chor und das Publikum.

BONN. In zwei Sälen haben die Klassische Philharmonie und der Chur Cölnischer Chor zum Jahresstart ebenso Jubel von den Zuschauern geerntet wie die Bochumer Symphoniker, die das Beethoven-Orchester vertraten.

Beethovenhalle: Mit FREUDE ist das neue Jahr zu begrüßen. Nicht mit irgendeiner x-beliebigen Vergnüglichkeit, sondern mit der einzigartigen Freude, zu der sich Schillers Worte und Beethovens Musik im Finale der Neunten emporschwingen. Heribert Beissel weiß das und stellt das Magnum Opus traditionell in den Mittelpunkt seines Neujahrskonzerts in der Beethovenhalle.

Vor ausverkauftem Haus dirigierte er die neunte Sinfonie einmal mehr mit einer Begeisterung, die sich nicht nur auf die Klassische Philharmonie und den Chur Cölnischen Chor übertrug, sondern auch auf das Publikum. Zur Eröffnung eine schwungvolle "Egmont"-Ouvertüre und mit der "Nänie" von Johannes Brahms ein sanft leuchtender Trauergesang, dann kann das große Drama kommen.

Mit sicher dosiertem Vorwärtsdrang lässt Beissel zwischen dem Zwielicht der leeren Quinten und dem sich mit immer gewaltigeren Schlägen aufbäumenden Hauptthema den Spannungsbogen des ersten Satzes nie abreißen; der von der charismatischen Konzertmeisterin Ervis Gega angeführte, sonore Streicherapparat bewährt sich als zuverlässiger Führer durch die weitläufigen Landschaften dieses Allegros.

Nach einem gemäßigt dämonischen Scherzo und einem wunderbar ruhigen Adagio kommt die Freudenmelodie endlich in Sichtweite - noch ein wildes Fortissimo und ein paar Erinnerungen an die vorangegangenen Sätze, dann endlich dürfen Celli und Bässe einstimmig das schlichte Thema vorstellen: "Freude, schöner Götterfunken", ein ganz weiches Pianissimo, das auf seine Weise genauso viel Wirkung entfaltet wie die darauf folgenden, großen Steigerungen durch alle Instrumenten- und Stimmgruppen.

Auf die Grenzen der menschlichen Stimme hat Beethoven beim himmelsstürmenden "Ode an die Freude" wenig Rücksicht genommen, doch der hervorragend ausgebildete Laienchor lässt sich beflügeln und erzielt ungeahnte Leistungen. Saubere, lang gehaltene Spitzentöne und eine couragierte Doppelfuge tragen die Freude bis in die letzte Reihe.

Oper Bonn: "Das Ruhrgebiet rettet das Rheinland", Generalintendant Klaus Weise konnte sich zu Beginn des Neujahrskonzertes in der Bonner Oper diese doppeldeutige lokalpatriotische Anspielung nicht verkneifen. Mit Blick auf das Neujahrskonzert hatte er dabei allerdings recht, denn ohne den Einsatz der Bochumer Symphoniker, die das derzeit in China weilende Beethoven Orchester vertraten, hätte es wohl kein Neujahrskonzert in Bonn gegeben. Dass die Bochumer und ihr Chefdirigent Steven Sloane eigens hierfür eines ihrer traditionellen Neujahrskonzerte um einen Tag verschoben, machte ihr Kommen nur noch sympathischer.

Das Programm, durch das der künstlerische Betriebsdirektor Christian Firmbach ebenso eloquent wie humorvoll führte, hatte mit Stücken aus Giaccomo Puccinis Oper Madame Butterfly einen roten Faden. Lange hat dieses Werk, so Firmbach, nicht mehr auf dem hiesigen Spielplan gestanden, Grund genug also, es wenigstens bei diesem Anlass einmal wenigstens häppchenweise auf die Bühne zu bringen. Die Solisten, allesamt aus den Reihen des Bonner Ensembles, geizten nicht mit vokalem Glanz: George Oniani, Mark Morouse und Irina Oknina zeigten überzeugend, wie leicht sich eine Aufführung zumindest aus sängerischer Sicht realisieren ließe.

Doch auch die anderen Ensemblemitglieder, allen voran der bestens disponierte Opernchor, eine hinreißende Emiliya Ivanova und das neue Ensemblemitglied Miriam Clark, die sich mit zartschmelzender Stimme als Spezialistin für den amerikanische Stil zeigte, verbreiteten mit musikalischen Häppchen von Jacques Offenbach, George Gershwin, Johann Strauß und Leonard Bernstein gute Laune zum Jahresauftakt. Auch die Bochumer Symphoniker hinterließen einen ganz und gar formidablen Eindruck: spritzig, präzise und immer gut aufgelegt spielten sie etwa den Mambo aus Bernsteins West Side Story.