"Wahrscheinlichkeitswolken"

Neue Ausstellung in Bonner Galerie Judith Andreae

Wie Aliens im Raum: „Hyperobject Studies“ von Birgitta Weimer bei Judith Andreae. FOTO: WESTHOFF

Wie Aliens im Raum: „Hyperobject Studies“ von Birgitta Weimer bei Judith Andreae. FOTO: WESTHOFF

Bonn. Die Bonner Galerie Judith Andreae zeigt unter dem Titel "Wahrscheinlichkeitswolken" neue Werkgruppen der Künstlerin Birgitta Weimer.

Gerade erst sind die „Wahrscheinlichkeitswolken“ verflogen, die die Künstlerin Birgitta Weimer monumental durch den herrlichen Jugendstilbau des Osthaus Museums Hagen treiben ließ. Jetzt sind die „Wahrscheinlichkeitswolken“ titelgebend im alten Schulhaus der Galeristin Judith Andreae in der Bad Godesberger Paul-Kemp-Straße angekommen.

In der Galerie, die immer wieder Ausschnitte aus Weimers Werk gezeigt hat, feiert die Künstlerin nun ihre erste Soloschau an diesem Ort. Wie immer sind Naturwissenschaft und Philosophie im Spiel, wenn Weimer ihre Objekte inszeniert. Aber auch wer mit Albert Einstein und Timothy Morton weniger intensiv vertraut ist, kann den Zauber dieser Arbeiten erfassen.

Wie wuchernde kristalline Strukturen muten die zusammengeballten schwarzen Kugeln an, die sich im Spiegel quasi verdoppeln, im Vorbeigehen in immer neuen Konstellationen erscheinen. Weimer fordert den aktiven Betrachter heraus, der diesen düsteren Kugelwolken Leben und Beweglichkeit einhaucht.

„Wahrscheinlicheitswolken“ entstehen im Vorbeiziehen, ähnlich wie die „Daseinsformen“, schwarze Zusammenballungen unter Glasstürzen. Während die Wolken im Spiegel eine gewisse dekorative Eleganz verbreiten, wirken die porösen, schrundigen Oberflächen der „Daseinsformen“ eher unangenehm und bedrohlich. Gut, dass sie wie in einer Laborsituation durch das Glas abgeschirmt werden.

Der Kosmos im Keller

Ähnliche Aliens scheinen in sattroten, halbtransparenten Trommeln an der Wand ihr Unwesen zu treiben. „Spukhafte Fernwirkung“ nennt Weimer in Anspielung auf Einstein diese dumpf leuchtenden Wandobjekte. Das Kontrastprogramm wartet im Keller: Dieser düstere, gemauerte, verließartige Raum, eine unterirdische Kapelle, ist bei Judith Andreae traditionell ein Ort schönster Entdeckungen.

Bei Regine Schumanns fluoreszierenden Lichtkästen war das schon so, Birgitta Weimer holt nun den Kosmos vom Himmel in den Untergrund. Der französische Astronom Charles Messier veröffentlichte 1771 seinen Katalog astronomischer Objekte, hauptsächlich Galaxien, Sternhaufen und Nebel. 1784 war das Himmelskompendium auf 103 „Objekte“ angewachsen.

Weimer zeigt nun drei solche ins Dreidimensionale übertragene „Messier-Objekte“: Perforierte und von innen beleuchtete Epoxidharz-Körper, die das Sternenbild an die Decke werfen. Zu sehen sind „Messier 38 – Offener Sternhaufen“ im Wintersternbild Fuhrmann, „Messier 13 – Kugelsternhaufen“ im Sternbild des Herkules und „Messier 9 – Kugelsternhaufen“ im Sternbild Schlangenträger. Weimers Objekte werfen ihre Lichtpunkte in den grob gemauerten Raum, jedes Sternensystem erscheint als eigenes Individuum. Ein schöner, meditativer Ausklang der Schau.

Galerie Judith Andreae, Bachhöfe – Paul-Kemp-Straße 7; bis 10. März. Mi 10-18, Do, Fr 14-18, Sa 11-15 Uhr. Künstlergespräch am 22. Februar, 19.30 Uhr: Birgitta Weimer spricht mit Susanne Wedewer-Pampus vom Kunstverein Leverkusen Schloss Morsbroich e. V.