Konzert in Bonn

Nena feiert auf dem KunstRasen ihr Bühnenjubiläum

Bonn. Nena ist das Aushängeschild der Neuen Deutschen Welle. Am Donnerstag hat die wahrscheinlich erfolgreichste Solo-Künstlerin der Bundesrepublik auf dem KunstRasen in Bonn ein umjubeltes Konzert gegeben, und dabei auch ein Jubiläum gefeiert.

Irgendwie, irgendwo, irgendwann war es einfach mal wieder Zeit für Nena: Am vergangenen Donnerstag hat die Pop-Ikone, bis heute das Aushängeschild der Neuen Deutschen Welle und die wahrscheinlich erfolgreichste Solo-Künstlerin der Bundesrepublik, im Rahmen ihrer „Nichts Versäumt“-Jubiläumstour auf dem KunstRasen ein umjubeltes Konzert gegeben und damit in gewisser Weise einen Kreis geschlossen. 40 Jahre ist es jetzt her, dass sie mit ihrer ersten Band The Stripes in den Rheinterrassen vor rund 40 Gästen spielte – jetzt waren es gut 6000, die sich in der Gronau tummelten und mit der 59-Jährigen eine in ihrer Form einzigartige Bühnenkarriere feierten. Ein schöner Abend, trotz des durchwachsenen, aber immerhin trockenen Wetters. Schließlich strahlten die Fans von innen heraus, nahmen die lautstark propagierte Liebe, die Nena in die Menge projizierte, dankend auf und gaben sie nur allzu gerne weiter. Für alles andere, so die einhellige Meinung, ist das Leben schlichtweg zu kurz.

Nena weiß aber auch genau, wie sie ihr Publikum begeistern kann. Es gehört zu ihrer Lebensmaxime, eine Art Leuchtturm der Freude zu sein, und wenn das nun einmal heißt, dass sie wie ein Derwisch zwei Stunden lang alles gibt und sich im Spannungsfeld zwischen Schlager-Pop und Deutschrock tummelt, tut sie das gerne. Die Energie dafür hat sie sich ohnehin bewahrt, trotz oder vielleicht auch wegen ihrer großen Familie. Vier Kinder und drei Enkel haben sie nie davon abgehalten, im Musikgeschäft präsent zu sein – ganz im Gegenteil. Seit einigen Jahren stehen ihre Zwillinge Sakias und Larissa mit ihr auf der Bühne (ersterer auch mal mit einem starken Solo am Mikrofon), und auch ihr jüngerer Sohn Simeon begleitet sie inzwischen. Ein Familienunternehmen also, das in Bonn erwartungsgemäß professionell agierte.

Mehr Jubel, mehr Lärm, mehr Stimmung

Die Band sorgte mit einem fetten Sound dafür, dass Nena bei ihrem Tanz auf dem Vulkan die nötige Sicherheit hatte, und die wiederum konnte kaum stillstehen, war immer überall, irgendwann auch mal mitten im Publikum auf einer Minibühne, auf der ein paar ausgewählte Fans mit ihrer Heldin zu ein paar wilden Punk-Einlagen um die Wette sprangen. Nena, die Super-Animateurin, immer auf Achse. Hyperaktiv eben. Und manchmal ein wenig aufgesetzt. Wie toll das Publikum doch sei und der KunstRasen und Bonn, erzählt sie immer wieder, wie ein Mantra, nur um kurz darauf noch mehr zu fordern, mehr Jubel, mehr Lärm, mehr Stimmung. Andererseits, die Dualität zeigt Wirkung. Das Publikum schreit sich die Seele aus der Kehle, die Stimmung steigt und steigt. Top.

Letztlich gelingt es Nena, ihrem Tourmotto gerecht zu werden. Wer als Fan am Donnerstag in den Rheinauen war, hat wirklich nichts versäumt, alle anderen dagegen eine Künstlerin, die man zumindest respektieren muss. Ja, ihr Positiv-Pop wirkt mitunter übertrieben, ist manchmal trotz harter Gitarren überaus schmalzig, aber keiner kann abstreiten, dass Nena damit eine tolle Show gestalten kann und das Publikum euphorisiert. Das gehört dazu, ebenso wie natürlich die größte Hymne über 99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont.

Ein Klassiker, der weltweit erfolgreich war und dessen Text hierzulande wahrscheinlich jeder kennt. Das KunstRasen-Publikum sang das Lied auf jeden Fall voller Leidenschaft mit, ebenso wie so manch anderen Titel, der es in das kollektive Gedächtnis des Landes geschafft hat. Ohne Nena würde etwas fehlen. Und so bleibt nur zu hoffen, dass sie irgendwie noch einmal den Weg zurück nach Bonn findet. Irgendwann bestimmt.