Musikalische Europa-Reisen

Im Bonner Münster faszinieren Trompeten und Orgel - "London Baroque" sorgt für einen großen Abend in der Redoute - Die Beethoven-Bläser widmen sich in der Trinitatiskirche Poulenc und Mozart - Das Florilegium-Ensemble gibt sich im St. Remigius international

Bonn. Münsterbasilika: Die adventlichen Konzerte im Bonner Münster sind in der Regel immer gut besucht. Wenn dann auch noch die Kombination Orgel und Trompeten auf dem Programm steht, kann man davon ausgehen, dass das romanische Gotteshaus bis auf den letzten Platz besetzt ist.

So war es auch beim traditionellen Konzert von Münsterkantor Markus Karas mit den beiden Trompetern Albrecht Enders und Andreas König. Auf dem Programm standen überwiegend barocke Werke, die Organist wie Trompeter souverän absolvierten. Von Karas stets zuverlässig begleitet, glänzten Enders und König mit strahlendem Trompetenklang und sicherer Intonation.

Verstärkung erfuhren die Musiker durch die Sopranistin Ariane von der Heyden-Karas, die unter anderem zwei Solo-Arien von Georg Friedrich Händel in glänzender ("Let the bright Seraphim") beziehungsweise leicht bemühter Weise ("Eternal Source of light divine") sang. Zwei Stücke für Sopran und Orgel von Francis Poulenc und Charles Gounod waren außer einer Orgel-Paraphrase über "Tochter Zion" von Alexandre Guilmant leider der einzige Ausflug in romantische oder moderne Gefilde.


Redoute: Das zweite städtische Kammerkonzert der Saison in der voll besetzten Godesberger Redoute hätte mit seinen vorgesehenen Gesangsnummern barocker Komponisten ein Weihnachtskonzert werden sollen, doch die "Grande Dame" und "Primadonna der alten Musik" Emma Kirkby hatte ganz kurzfristig ihre Mitwirkung wegen Erkrankung absagen müssen, so dass nun das gleichfalls weltweit renommierte Ensemble "London Baroque" den Abend allein zu bestreiten hatte.

Die vier großartigen, in Sachen historischer Aufführungspraxis lange erfahrenen Musiker Ingrid Seifert und Richard Gwilt (Violinen), Charles Medlam (Violoncello) und Terence Charlston (Cembalo) hatten ihren vorgesehenen Konzert-Anteil dankenswerterweise zu einem vollen Programm ausgebaut, das vom Cellisten überaus charmant moderiert wurde.

Man begann mit einer frühen Triosonate Händels (F-Dur HWV 392), die sich recht anspruchsvoll und expressiv ausnahm, mit viel Chromatik und überraschenden Wendungen, und die darin um einiges "experimenteller" wirkte als eine weitere Triosonate (in Suitenform) aus Händels Spätzeit, die in ihren eingängigen Tanzsätzen bereits ein wenig ins Rokoko hineinreichte. Sie war besonders lebens- und klangvoll realisiert.

Sehr schön nahmen sich dann auch die Bearbeitungen zweier Orgel-Triosonaten Bachs aus, deren feinsinnige Fakturen und elegisch getönte Adagio- und Largo-Gesänge eindringliche Darstellung erfuhren. Recht reizvoll aber auch die 4. Sonate d-Moll für zwei Violinen des Genfer Komponisten und Geigenvirtuosen deutscher Herkunft Kaspar Fritz. Sie wurde mit kräftiger Tongebung und energischem Strich musiziert.

Bleibt noch nachzutragen, dass sich auch der Cembalist solo einen Händel vorgenommen hatte, die Klavier-Suite Nr. 5, die er agogisch und verzierungstechnisch eindrucksvoll und geschmeidig-virtuos realisierte. In den starken Beifall rundum für "London Baroque" mischten sich immer wieder auch Bravo-Rufe, nicht verwunderlich angesichts der ganz unakademisch lebendigen und klangreichen Interpretation dieses Ensembles. Eine stimmungsvolle Weihnachts-Pièce Händels gab`s dann noch als Zugabe.


Trinitatiskirche: Mut haben die Macher von Trimolo, dem Förderkreis Musik in Trinitatis, beim letzten Konzert im alten Jahr gleich in mehrfacher Hinsicht gezeigt: Entgegen der Jahreszeit stand kein Weihnachtskonzert auf dem Programm, und mit Francis Poulencs Sextett für Klavier und Bläser-Quintett aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts schon gar kein Werk des gängigen Repertoires.

Es spielte das Bläser-Ensemble des Beethoven Orchesters Bonn, ergänzt um den Pianisten Markus Krebel. Das herrlich respektlose Werk kam in einer ansteckend frischen Realisierung herüber. Die punktierten Rhythmen des Finalsatzes kokettieren dabei unverhohlen mit dem Rag. Flankiert wurde Poulenc von Mozart: einer von Johann Nepomuk Wendt arrangierten Harmonie-Musik für Bläser-Okett der Oper "Così fan tutte" und der Serenade Nr. 12 c-Moll.

Insbesondere bei der "Così"-Bearbeitung wurde deutlich, welchen Stellenwert Mozart dem Holz beimisst. Sauber gearbeitet überzeugte auch die Serenade: mit punktgenauen Einsätzen, makellosen Übergängen und einer sorgfältigen Dynamik. Seele des Ensembles ist Keita Yamamoto, Solo-Oboist des Beethoven Orchesters. Sein leuchtend warmer Ton inspirierte zu hochmusikalischem Spiel.


St. Remigius: Unter dem Praetorius-Liedtitel "Quem pastores laudavere" (Den die Hirten lobeten sehre) gab es in der Remigius-Kirche eine stimmungsvolle (und erfreulich gut besuchte) Konzertstunde mit Musik des 15. bis 17. Jahrhunderts zum Weihnachtsfestkreis.

Die Ausführenden waren Susanne König (Sopran) und Florilegium, Ensemble für Alte Musik Bonn (mit Hanne Döhler, Claudia Paxmann-Wasmuth, Hans Georg Büchel, Felicitas Zink als "Ersatz" für den erkrankten Ulrich Cox und Dieter Klöckner).

Mit ihrem lichten und klaren, fast ohne Tremolo wie ein Instrument geführten Sopran war Susanne König dabei einmal mehr ideale Lied-Partnerin für das Ensemble und sein historisches Instrumentarium. Die Stücke und Lieder zum Weihnachtsgeschehen waren international zusammengestellt worden, von Deutschland bis Spanien, von England bis Italien.