Beethoventag in Bonn

Musik für eine Überlebende aus Theresienstadt

Pianistin aus der Beethovenstadt: Jamina Gerl

Pianistin aus der Beethovenstadt: Jamina Gerl

Bonn. Gesprächskonzert zum 190. Todestag Beethovens am 26. März im Kammermusiksaal. Die Bonner Pianistin Jamina Gerl und die Filmkritikerin Clara-Maria Schellhoss widmen diesen Abend der 1903 in Prag geborenen jüdischen Pianistin Alice Herz-Sommer

Der 17. Dezember ist als Tauftag Ludwig van Beethovens im Kalender vieler Musikfreunde rot markiert. In seiner Geburtsstadt wird der Tag alljährlich feierlich begangen, zum Beispiel mit der langen Beethovennacht des Beethoven Orchesters. Künftig soll auch der Todestag des Komponisten, der sich in diesem Jahr am 26. März zum 190. Mal jährt, zum Gedenktag werden. Dazu haben das Beethoven-Haus und die Bürger für Beethoven eine Kooperation vereinbart.

Wie der Direktor des Beethoven-Hauses, Malte Boecker, und der Vorsitzende der Bürger für Beethoven, Stephan Eisel, am Montag mitteilten, will man jährlich mit einem Gesprächskonzert an das besondere Datum erinnern. Boecker: „Der Verein Beethoven-Haus hat in der Vergangenheit bereits häufig mit einem Konzert an Beethovens Todestag erinnert. Wir freuen uns, dass dieser Tag nun jedes Jahr von beiden Beethoven-Initiativen gemeinsam begangen wird.“ Im Zentrum des Interesses steht die Spiegelung von Beethovens Leben und Werk in der Arbeit verschiedenster Künstler.

Wie man sich das vorzustellen hat, soll die erste Veranstaltung am Sonntag, 26. März, 20 Uhr, im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses zeigen. Die Bonner Pianistin Jamina Gerl und die Filmkritikerin Clara-Maria Schellhoss widmen diesen Abend der 1903 in Prag geborenen jüdischen Pianistin Alice Herz-Sommer, die 2014 mit 110 Jahren in London verstarb. Sie selbst ist an diesem Abend in dem mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm „Music Saved My Live“ von Malcolm Clarke aus dem Jahr 2013 zu erleben.

Herz-Sommer, die das KZ-Theresienstadt überlebte, sagte über sich selbst: „Ich bin jüdisch, aber Beethoven ist meine Religion.“ Sie wuchs mit ihrer Zwillingsschwester in einem bürgerlichen Umfeld auf, ihre Eltern sprachen Deutsch und verkehrten regelmäßig mit Geistesgrößen wie Sigmund Freud. Franz Kafka war für die junge Alice wie ein großer Bruder. Und über Franz Werfel sagte sie in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“: „Ich habe auch Franz Werfel kennengelernt. Er hat in einem seiner Romane geschrieben: Man muss der Menschheit alle Sünden verzeihen, wenn ein Beethoven herauskam. Und er hat recht.“ Dass ihr ein solcher Satz über die Lippen kam, ist angesichts ihrer Erlebnisse während des Nationalsozialismus nicht selbstverständlich. 1943 war sie mit ihrem Mann Leopold Sommer und dem gemeinsamen sechsjährigen Sohn Raphael nach Theresienstadt deportiert worden, wo die Nazis die Musik mit dem zynischen Hintergedanken förderten, der Welt zu zeigen, wie gut es den Juden in den Konzentrationslagern erging. Ihr Sohn spielte häufig die Rolle in Hans Krásas Kinderoper „Brundibár“. Sie selbst ließ keine Gelegenheit ungenutzt, Klavier zu spielen: Chopin, Beethoven, aber auch die der Komponisten Viktor Ullmann, Pavel Haas, Gideon Klein, Hans Krása und Karel Reiner, die sie aus Prag und Theresienstadt persönlich kannte.

Aus Herz-Sommers Repertoire hat Jamina Gerl die Etüde op. 25 Nr. 12 in c-Moll von Frédéric Chopin, die Sonate Nr.6 op. 49 von Victor Ullmann sowie die Sonate Op. 26 in As-Dur von Beethoven ausgewählt.

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