Musical sorgt in Kölner Oper für Furore

Wilde, glitzernde Berliner "Kiss me, Kate"-Inszenierung

Köln. Wenn in Köln in den kommenden Tagen und Wochen das Karnevalsfieber grassieren wird, mag man in der Oper auch nicht länger stille halten. Dafür sorgt Intendant Uwe Eric Laufenberg mit der Übernahme von Cole Porters Musical "Kiss me, Kate" aus Berlin.

An der Komischen Oper hatte die Inszenierung mächtig Furore gemacht, jetzt soll sie auch das Kölner Publikum von den Opernsitzen reißen. "The hottest gay ticket in town? werde die Show, versprach Regisseur Barry Kosky vor der Berliner Premiere. Mag sein, dass er Recht hatte.

Tatsächlich passt seine wilde, schrille Inszenierung auch ziemlich gut in die Stadt der Rosa Funken: Die Pailletten auf den Kostümen (Alfred Mayerhofer) der Sänger, Tänzer und Schauspieler glitzern und blitzen, dass es einem schwindelt, furiose Tänze in knapp sitzenden, roten Cowboy-Kostümen und artistische Einlagen sorgen darüber hinaus für zündende Unterhaltung (Choreografie: Otto Pichler).

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Hinzu kommt die freche, von dem Musical-Spezialisten Koen Schoots mitreißend dirigierte und von den Musikern des Gürzenich-Orchesters nicht minder peppig gespielte Musik Porters, die in der in der zehn Jahre alten jazzig aufgefrischten Broadway-Fassung von Don Sebesky zu hören ist.

Die Musiker sitzen dabei natürlich nicht brav im Graben, sondern schlängeln sich eine Showtreppe hinauf, mit der die rechte Seite der ansonsten eher spartanisch ausgestatteten Bühne (Klaus Grünberg) wirkungsvoll abschließt.

Freilich ist Cole Porters Musical ein bisschen mehr als Show. Schon die raffinierte Stück-im-Stück-Geschichte kommt in diesem mehr als 60 Jahre alten Opus um vieles intelligenter daher als die meist ziemlich seichten Plots heutiger Musicals.

"Kiss me, Kate" handelt von einer Schauspieltruppe, die Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" aufführen will, wobei das Bühnen- und das wahre Leben sich permanent berühren und durchkreuzen.

In der Inszenierung fallen die riesigen Koffer ins Auge, die auf erstaunlich vielfältige Weise genutzt werden.

Hier wird der Backstage-Bereich zur Bühne, wenn aber Shakespeare das Wort hat, ziehen sich Glitzervorhänge zu. Renaissance-Kostüme, wie in den meisten Inszenierungen, wird man hier vergebens suchen.

In Samuel und Bella Sewacks Geschichte, die von Susanne Felicitas Wolf für die Komische Oper neu übersetzt wurde, hat Theater-Produzent Fred Graham (Claudio Otelli) sich selbst für die männliche Hauptrolle des Petruchio engagiert und für die weibliche der Katharina seine Ex-Frau Lilli Vanessi (Dagmar Manzel), um die er in Shakespeares Komödie buhlt.

Um die Sache noch ein bisschen komplizierter zu machen, ist sie mit dem Geldgeber der Produktion liiert, während ihr Ex-Gatte heftig mit der Schauspielerin Lois Lane (Sigalit Feig) flirtet, die sich offenbar auf ihre Weise für die Rolle der Bianca qualifiziert hat.

Lois' windiger Verlobter Bill Calhoun (Robin Poell) wiederum spielt den Lucentio und bringt mit einem gefälschten Schuldschein seinen Chef in arge Bedrängnis.

Doch die beiden wenig zimperlichen Geldeintreiber (Rainer Wöss und Andreas Glaesmer) werden gleich ins Shakespearestück integriert, wobei ihre Schusswaffen gelegentlich unterm Engelsröckchen hervorblitzen.

In der Kölner Übernahme spielen zwar viele hauseigene Kräfte mit, die von der Statisterie über den Chor bis zu einigen Solisten wie Ulrich Hielscher als Harry sich blendend einfügen, doch im Mittelpunkt steht Berlin-Import Dagmar Manzel als Lilli/Kate.

Die Frau ist ein Ereignis: Ihr Spiel ist witzig und furios und kann in der nächsten Sekunde einen unglaublich traurigen Ton anschlagen. Dazu singt sie die großen Klassiker wie das erinnerungsselige Walzerduett "Wunderbar" an der Seite ihres Ex-Mannes ganz hinreißend.

Auch dessen Stimme kann sich übrigens hören lassen: Claudio Otelli setzt seine Bassbariton-Stimme mit Charme in Szene. Viel Applaus in der von den Kölnern heftig umjubelten Produktion gab es auch für Sigalit Feig und Robin Poell.

Die nächsten Termine: 2., 6., 9., 15., 23. Januar, 18. und 20. Februar