Spannende Zeitreise ins Mittelalter

Modell der restaurierten Godesburg in Bonn ausgestellt

Einblick in das späte 14. Jahrhundert: Erstes detailgetreues Modell der Godesburg im LVR-Landesmuseum.

Einblick in das späte 14. Jahrhundert: Erstes detailgetreues Modell der Godesburg im LVR-Landesmuseum.

Bonn. Nur bis 1. September: Das erste detailgetreue Modell der restaurierten Godesburg wird im LVR-Landesmuseum Bonn gezeigt, bevor es auf eine Ausstellungstournee geht

Sogar an den Mäusefänger von der Godesburg habe man gedacht, erläutert Elke Nieveler, Wissenschaftliche Referentin für Frühmittelalter am LVR-Landesmuseum in Bonn, und deutet auf die knapp einen Zentimeter hohe Figur, die mit ihrer Katze im Hof der im Maßstab 1:100 rekonstruierten Godesburg steht. Aus historischen Quellen wisse man, dass der Mäusefänger etwa ein Zehntel der Torwächter verdiente. Von langer Dauer war sein Dienst allerdings nicht. Denn als Arsen als günstigere Waffe gegen die Nager aufkam, waren Fänger und Katze ihren Job los.

Die Quellenlage sei sehr gut, meint Nieveler, wobei sie Stiche, Schriften, Rechnungen – etwa über den ausgebesserten Badezuber des Erzbischofs – und Chroniken, außerdem archäologische Funde und Bauuntersuchungen meint. Tanja Potthoffs sehr lesenswerte Münchner Dissertation zur Baugeschichte der Godesburg bündelt die Fakten. Die Bonnerin Potthof war auch am Rekonstruktionsprojekt beteiligt. Es lasse sich ausgezeichnet rekonstruieren, wie die seit 1210 erbaute Burg des Kölner Erzbischofs im 14. Jahrhundert aussah, erzählt Nieveler. Und wo die Quellen fehlten, erlaubten sich die Wissenschaftler Spekulationen, blickten auf verwandte Objekte wie die Maxburg. Zwei Monate lang haben Spezialisten an dem Modell gearbeitet. Der Rohbau wurde im Rahmen eines Kolloquiums in Bonn diskutiert, bevor man an die Feinheiten ging.

 

Gefördert von der Sparkasse KölnBonn

Am Mittwoch präsentierte nun Museumsdirektorin Gabriele Uelsberg das neue Modell – gemeinsam mit Volker Schramm, stellvertretendes Mitglied des Vorstandes der Sparkasse KölnBonn. Die Sparkasse hat sich mit 25.000 Euro aus den Erträgen der Lotterie des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes „PS Sparen und Gewinnen“ beteiligt. „So gesehen, haben rund 100.000 Bonner an der Finanzierung des Godesburg-Modells mitgewirkt“, sagt Schramm.

Es zeigt anschaulich, was ein derartiges Bauwerk im Mittelalter war: ein wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Knotenpunkt. Die Godesburg war Amts- und Residenzsitz, hatte militärische Funktionen, diente auch als Gefängnis, wie am Fuß des aufgeschnittenen Bergfrieds zu sehen ist. Dort ist eine Art Zisterne zu sehen, in die der Gefangene durch eine Luke hinabgelassen wurde. Man nannte es das Angstloch. Die Burg in Bad Godesberg war auch Ort üppiger Feste, wie Rechnungen belegen. Bis zu 250 Gäste (für die offenbar nur zwei Latrinen zur Verfügung standen – wie man am Modell sieht) versammelte der Erzbischof an seinen Tafeln im Festsaal.

Kleine Figuren und in Handarbeit hergestellte Möbel geben einen Eindruck des feudalen Treibens. Der Hausherr selbst naht mit Gefolge von der Vorburg her. Sein Wappen ziert als akkurat gepinselte Miniatur die Satteldecken der winzigen Pferde. Es sehe wie ein „dreidimensionales Wimmelbild“ aus, sagt Uelsberg, die mit dem Modell insbesondere Kindern einen Eindruck vom Alltag in einer mittelalterlichen Burg geben will.

Neue Mittelalter-Abteilung fürs Landesmuseum

Mit dem Modell hat Uelsberg einiges vor. Nur noch eine knappe Woche wird es im LVR-Landesmuseum gezeigt. Dann reist es nach Den Haag ins Museon zur Mitmach-Ausstellung „Ridders & Kastelen“ über das Leben auf einer Burg. Die Bonner waren an der Schau, die vier Stationen in Holland und Belgien hat, beteiligt. Im September 2018 kommt die Ausstellung mit dem Godesburg-Modell zurück ins Landesmuseum. Und 2020, wenn das Haus das 200-Jahre-Jubiläum feiert, soll die Godesburg – so die Planungen – Teil der neuinszenierten Mittelalterabteilung werden.

Das Modell ist nicht nur eine Attraktion für Kinder, es ist generell für historisch Interessierte spannend. Denn die Modellbauer lassen nicht nur die Ruine der 1583 zerstörten Godesburg als prächtige, weiß-verputzte mit Ziegeln und Schiefer gedeckte Burg wieder auferstehen. Sie haben auch durch leichte Einfärbungen kenntlich gemacht, was erhalten und was Stand der weiteren Forschung ist.

Das Modell der Godesburg kann bis zum 1. September im LVR-Landesmuseum besichtigt werden. Di -Fr, So. 11-18, Sa 13 -18 Uhr.