Konzert im WCCB

Mit großem Vergnügen durch die Nacht zum Licht

Pianist Martin Stadtfeld und Cellist Jan Vogler im WCCB.

Pianist Martin Stadtfeld und Cellist Jan Vogler im WCCB.

Bonn. Chor- und Kammermusik im Bonner WCC, und zum Finale dirigiert Fabrizio Ventura die fünfte Sinfonie.

"Aber, lieber Beethoven, was haben Sie denn da wieder gemacht?" So der wenig schmeichelhafte Kommentar von Nikolaus II. Esterházy, Auftraggeber der C-Dur-Messe op. 86, nach der Uraufführung 1807.

Das Werk, in dem der Komponist alle musikalischen Mittel in den Dienst der Textausdeutung stellt, stieß nicht nur bei den Zeitgenossen auf Unverständnis. Noch Beethoven-Fan Theodor Adorno empfand etwa das Kyrie als "unbeschreiblich zahm". Was den Philharmonischen Chor und das Beethoven Orchester Bonn (BOB) nicht daran hinderte, die Konzertnacht am Vorabend von Beethovens 246. Tauftag im WCCB mit der C-Dur-Messe zu beginnen.

Vom ersten A-cappella-Einsatz der Chorbässe auf dem tiefen C bis zu den letzten Piano-Akkorden des Agnus Dei steuert Gastdirigent Fabrizio Ventura Chor, Solisten und Orchester sicher durch die teils spannende, teils aber auch gewollt andersartige Komposition.

In dieser Messe klingt nichts so selbstverständlich wie bei Mozart oder Haydn, aber der von Chorchef Paul Krämer perfekt vorbereitete Chor kann die schroffen Kontraste und Steigerungen glaubhaft vermitteln.

Die Chorstimmen agieren dabei ebenso treffsicher und ausgewogen wie das von Ute Selbigs klarem und innigen Sopran angeführte Solistenquartett: Selbig, Altistin Ezgi Kutlu, Tenor Eric Stokoßla und Friedemann Röhlig (Bass) harmonieren vortrefflich und schaffen es sogar im sperrigen Benedictus, sich nicht andauernd im Weg zu stehen. Dazu das dynamische und klangliche Potenzial der BOB-Streicher und der Bläsergruppe, und Esterhazys ungnädige Frage ist vollends vergessen.

Den kammermusikalischen Teil der Beethoven-Nacht eröffnen Jan Vogler und Martin Stadtfeld mit zwei Cello-Sonaten. Ein gegensätzlicheres Duo ist kaum vorstellbar: Hier der extrovertierte Cellist, der sein Instrument über weite Strecken mehr sprechen als singen lässt - und zwar mit recht ruppigem Akzent -, dort der Pianist, der den Flügel mehr streichelt als anschlägt.

Stadtfeld sitzt auf seinem mitgebrachten Klavierhocker mit den kurzen Beinen extrem tief, was ihm einen aufrechten Rücken beschert, ihn aber auch zu einer unorthodoxen Pedaltechnik nötigt. Er spielt so, als horche er in jeden Ton hinein und entlockt dem Flügel mit leichter Hand butterweiche Läufe, zarte Piano-Nuancen und viele verschattete Klangfarben.

Doch die Cello-Sonaten sind als Dialog auf Augenhöhe gedacht. Und der findet nicht statt, wenn Voglers energische Einlassungen von Stadtfeld mit allzu nobler Zurückhaltung erwidert werden. Dennoch lässt der Kontrast aufhorchen und unterstreicht vor allem in der g-Moll-Sonate op. 5 Nr. 2 die abenteuerlichen Gegensätze und Modulationen des Werkes.

Ein mitreißendes Intermezzo liefert das BOB-Bläseroktett mit op. 103 "Parthia": Zwei Hörner plus zwei Oboen plus zwei Klarinetten plus zwei Fagotte ergibt pure Brillanz, Raffinesse und Spielfreude.

All das macht auch die fünfte Sinfonie zu einem Finale, in dem sich das Beethoven Orchester einmal mehr seines Namens würdig erweist. Spritzig und auf den Punkt der ganze Streicherapparat, vor allem auch die hart geforderten Bratschen und Kontrabässe, unendliche Fülle des Wohllauts bei den Holz- und Blechbläsern.

Am Pult sorgt Ventura für flotte Tempi und apotheotische Effekte; offenbar hat er ebenso wie das Publikum sichtlich Vergnügen daran, durch die Nacht zum Licht zu stürmen. Und ein bisschen Italianità ist auch dabei.