Joja Wendt

Mit dem Klavier über die Alpen

Große Show am Flügel: Der Klavier-Virtuose und Entertainer Joja Wendt begeisterte sein Publikum.

BONN. Ein großes Finale mit zwei Special Guests und jeder Menge virtuoser Hits aus Jazz und Klassik: So hat Starpianist und Tasten-Entertainer Joja Wendt am Dienstag in der Oper Bonn seine aktuelle Tournee ausklingen lassen.

Gut gelaunt und ganz entspannt zog der 50-Jährige alle Register, verzauberte mit Fats Wallers "Handful of Keys", Vladimir Horowitz' Carmen-Variationen oder dem Sommer-Presto aus Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten, Werken also, die hohe Anforderungen an Interpretation und Technik stellen.

Für Wendt kein Problem, auch wenn er selbst immer wieder lautstark auf die Herausforderung eines jeden Stücks zu sprechen kam. Alles Teil dieses Musik-Zirkus: Regelmäßig relativierten eingebaute Gags die oft verkrampfte, auf Leistungsdenken ausgerichtete Klassik oder den als intellektuell verschrienen Jazz und sorgten beim Publikum für Spaß statt Konzentration.

Natürlich war dieser Weg nicht ohne Risiko: Wendt balancierte immer wieder an der Grenze zum Klamauk, etwa wenn er in bester Slapstick-Manier mit seinem hydraulischen Flügel eine Fahrt über die Alpen simulierte und dabei zum Schluss hinter seinem Instrument herstolperte - vor Stürzen konnte er sich jedoch auch dank der Hilfe von Bassist Olaf Casimir und Drummer Christoph Buhse retten.

Im Laufe des Abends setzte Joja Wendt zudem auf die tatkräftige Mithilfe zweier Bonner: Bei "Misty" holte er sich den im Publikum sitzenden Posaunisten Jiggs Whigham auf die Bühne, für "Take Five" griff er auf den 13-jährigen Schlagzeuger Joshua Knauber zurück. Diesen hatte Wendt zwei Wochen zuvor in der Musikschule Henneberger kennen und schätzen gelernt. Gleiches galt nun fürs Publikum, das den abgeklärten Jugendlichen, der sich selbst vor einem Solo nicht scheute, ebenso feierte wie den Abschied nehmenden Joja Wendt, der 2015 eine kreative Pause einlegt.