Mit dem Feuer des genialen Romantikers

Auerberger Kantorei singt Händel in Bad Godesberg

Bad Godesberg. "In Händel lebt ein gefesselter Beethoven", in dem "das Feuer des genialen Romantikers" brennt, hat Romain Rolland rückblickend einmal formuliert. Jene Glut erneut entfacht zu haben, ist Thomas Neuhoff, dem Leiter der Auerberger Kantorei, jetzt in einer schlicht sensationell geratenen Aufführung des Oratoriums "Judas Maccabaeus" gelungen. Zu hören war das 1747 in London herausgekommene, patriotische und schon deshalb äußerst erfolgreiche Werk am Vorabend des jüdischen Chanukka-Festes (des achttägigen Tempelweihfestes) leicht gekürzt in der bis auf den letzten Platz gefüllten Bad Godesberger St. Marien-Kirche.

Neuhoff hatte einen besonderen Wert auf die in den Chorteilen versteckten musikdramatischen Züge gelegt (zum Kabinettstück hier geriet "Fall`n is the foe"), zum anderen die Darstellung der Affekte (vorwiegend inbrünstige Lamenti) in den Soli deutlich herausgearbeitet. Dass die Aufführung derart lebendig geriet, verdankt sich aber nicht zuletzt der Tatsache, dass fast ausnahmslos exzellente Kräfte zur Verfügung standen. Die Auerberger Kantorei, ergänzt um das Vokalensemble des Philharmonischen Chores der Stadt Bonn, beide ohnehin verlässliche Größen, bestachen neben einer sorgfältigen (verständlichen!) Artikulation durch lupenreine Intonation und eine bei aller Wärme stets schlanke Linienführung.

Im Solistenquartett überzeugten vor allem Susanne König, Sopran (Israelitin), und Alison Browner, Mezzosopran (Israelit, Bote, Priester), mit natürlich fließender, anmutiger Gestaltung, sauberen Koloraturen und homogenen Duetten - eine ideale Stimmkombination für Mozarts c-Moll-Messe. Hiergegen wirkten Ekkehard Abele mit baritonalem Bass (Simon, Eupolemus), vor allem aber ein kurzfristig für die Titelpartie eingesprungener Max Ciolek, Tenor, ein wenig eindimensional.

Sorgfältig ausdifferenzierte Orchesterfarben lieferte die Johann-Christian-Bach-Akademie, das von Johannes Geffert gegründete Ensemble für Alte Musik.