Nacht der offenen Galerien

Mit dem Bus von Kunst zu Kunst

BAD GODESBERG. "Eine super Idee", kommentierte die Galerie-Besucherin Katrin Köhler die Veranstaltung "Durch die Nacht", die am Freitagabend auf Initiative des Godesberger Kunstvereins viele Besucher in zehn verschiedene Galerien lockte.

"Tagsüber mal eine Galerie zu besuchen, ist vor allem für Familien nicht einfach. Und wenn das so gebündelt wird wie am heutigen Abend, ist das prima. Außerdem werden Galerien viel zu wenig besucht. Ich will mich heute Abend einfach mal inspirieren lassen", sagte Köhler auf ihrer zweiten Abendstation in der Kunsthandlung Kessel, wo Arbeiten von mehr als 40 Künstlern, darunter Udo Lindenberg und Armin Müller-Stahl, präsentiert wurden.

Auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister Jürgen Bruder lobte bei der Eröffnung im Godesberger Kunstverein die Initiative der Godesberger Kunst- und Kulturschaffenden: "Eine tolle Idee. Wenn ich könnte, würde ich für so etwas sofort den Kulturhaushalt erhöhen", sagte er und schmunzelte.

"Es ist wichtig, dass es hier in Godesberg eine ganz eigene Kunstszene gibt - und die ist wirklich etwas Besonderes", sagte Bruder. Das fanden wohl auch die meisten Besucher dieser außergewöhnlichen Nacht, die sich über diesen Kultur-Leckerbissen freuten. "Ich hätte nicht gedacht, dass es überhaupt so viele Galerien in Godesberg gibt", sagte beispielsweise Guntram Paulsen, der mit Ehefrau Elisabeth von Station zu Station tingelte. In der Galerie Craftkontor in der Innenstadt hatten sie gerade die Doppelausstellung von Keramikerin Uta Becker und Holzbildhauer Georg Schulz begutachtet, die Galeristin Annegret Portsteffen am Abend eröffnet hatte.

Als besonders gute Idee entpuppte sich im Verlauf des Abends - vor allem wegen des schlechten Wetters - der Shuttle-Service. "Das ist wirklich toll", meinte Karin Wacker, die mit ihrer Tochter aus Niederkassel gekommen war, um das Galerie-Hopping mitzumachen. "Ohne diesen Service hätten wir längst das Handtuch schmeißen müssen", bekannte sie freimütig. Zwei Kleintransporter hatten die Veranstalter im Einsatz, die im 15-Minuten-Rhythmus die Galerien anfuhren, um Besucher abzugeben und wieder aufzunehmen.

"Im Laufe der Nacht mussten wir noch zusätzlich Privatautos hinzunehmen, um den Bedarf zu decken", berichtete der Vorsitzende des Kunstvereins, Elmar Hucko. Er zog einen Tag nach dem Event bereits ein sehr positives Fazit: "In allen Galerien war etwas los. Und voraussichtlich werden wir diese Veranstaltung nicht wie ursprünglich geplant alle zwei Jahre durchführen, sondern gleich in 2014 die nächste folgen lassen", sagte Hucko.

Das positive Bild der Galerie-Nacht zeichnete sich schon im Verlauf des Abends ab. Clara-Maria Schellhoss, in Godesberg seit mehr als 15 Jahren als Filmkritikerin mit eigener Programmreihe im Kinopolis tätig, sagte: "Eine phantastische Sache für das Kulturleben in Bad Godesberg und eine wirklich lobenswerte Initiative."

Aber auch für die Galeristen selbst sorgte die Nacht der offenen Galerien für so manchen Aha- Effekt. "Selbst wir wussten nicht, dass es in Godesberg so viele Galerien gibt", bekannte Ilona Böhm von der Kunsthandlung Kessel. Und Stefan Moll, seit viereinhalb Jahren Inhaber der Ein-Raum-Galerie "Kunstkabinett S.M." meinte: "Da ich sonst keine festen Öffnungszeiten habe, ist das geradezu eine ideale Veranstaltung für mich."

Besondere Programmpunkte wie die Zaubershow des Taiwanesen Hsieh Tsan Yu im Kunstverein oder die Buchpräsentation von Susanna Neunast "Mit Anlauf in die Pfütze - 40 Fakten, 30 Gedanken, 1 Element" im Hause der Agentur "liebe glaube hoffnung", wo das Thema "PopUp Exhibitions" den Schwerpunkt bildete, rundeten diese erste Godesberger Galerie-Nacht ab.