18. Bonner Schumannfestes

Mit Pauken und Klavieren

Anja Füsti und Daniel Kartmann in perkussiver Mission. FOTO: MÜLLER

Anja Füsti und Daniel Kartmann in perkussiver Mission.

Das Schumannfest verbindet mit seinem großen Bonner Bruder, dem Beethovenfest, eine besondere Gemeinsamkeit: die Eröffnungsrede. Denn in diesem Jahr kommen die Referentinnen beide aus dem Hause Wagner. Während Beethovenfest-Chefin Nike Wagner im September zum Festivalauftakt sprechen wird, war am Mittwochabend im Endenicher Theater im Ballsaal ihre Tochter zu Gast, die Tänzerin und Choreografin Louise Wagner.

Ein kompetenterer Gast zum Motto des Schumannfestes "Familienbande - Lust und Leid" als ein Mitglied des Wagner-Clans ist schwerlich auffindbar.

Die in Berlin lebende Künstlerin, die selbst bald Familienzuwachs erwartet, sprach über das Verhältnis der Schumanns und Wagners, skizzierte vor allem die persönlichen und künstlerischen Unterschiede: "Schumann wortkarg - Wagner redselig. Schumann lyrisch - Wagner dramatisch. Schumann politisch eher konservativ - Wagner revolutionär".

Spannend wurde die Rede aber vor allem dann, wenn Louise Wagner ihre eigene Familie zum Gegenstand ihrer Reflexionen machte. Sie selbst sei ja nicht mehr in der Bayreuther Villa Wahnfried aufgewachsen, und für sie war das Festspielhaus kein Abenteuerspielplatz mehr wie noch für ihre Mutter. Der Familienzweig ihres Großvaters Wieland Wagner sei ja schon lange nicht mehr an der Macht, sagte sie, und über Bayreuth wurde in ihrer Familie "eher geschimpft oder kritisch-satirisch hergezogen". Insofern empfindet sie einen eher "distanzierten oder schon negativen Zugang zu Bayreuth und Wagner". Dadurch sei ihr viel "Familien-Leid" erspart geblieben. Allerdings gebe ihr die Zugehörigkeit zur Familie Richard Wagners auch eine "gewisse Farbe, eine vorgeformte Zugehörigkeit, eine Identität". Und über ihre Großmutter Gertrud, wie Louise Choreografin und Tänzerin, die mit Wieland vor allem dann eng zusammenarbeitete, wenn Richard Wagners Musik wie im Tannhäuser-Bacchanal zum Tanz auffordert, gibt es bei aller Distanz doch noch eine enge Verbindung zum Werk ihres Vorfahren.

Das Motto des Eröffnungskonzertes lautete "Mit Pauken und Klavieren" und bestand aus einem hübschen Programmmix: Das Ensemble Percorda mit Florian Kunz und Oliver Prechtl, Klavier, sowie Daniel Kartmann und Anja Füsti, Schlagzeug, begann mit einem Marsch für zwei Paar Kesselpauken, den sich die französischen Brüder André und Jacques Philidor um die Wende zum 18. Jahrhundert ausgedacht haben.

Musikalisch anspruchsvoller waren da natürlich die Haydn-Variationen von Johannes Brahms, in denen Kunz und Prechtl mit sicherem Spiel demonstrierten, dass Flügel von Bechstein und Steinway ganz wunderbar harmonieren können. Man spielte das Stück sehr konzentriert, fast ein bisschen nüchtern. Was auch für Robert Schumanns Andante und Variationen op. 46 galt.

Zum musikalischen Höhepunkt des Abends wurde der Auftritt des kompletten Ensembles mit Béla Bártoks 1938 uraufgeführter Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug. Die Musiker rückten ihre Instrumente dafür in die von Bartók penibel vorgeschriebene Position, sprich: Die Pianisten saßen mit dem Rücken zum Publikum und schauten auf ihre Mitspieler. Und dann legten sie los, rhythmisch präzise, klanglich fein ausgewogen und aufeinander hörend. Dass diese Musik heute immer noch unerhört neu wirken kann, machten sie an diesem Abend auf packende Weise deutlich.