Mit Gesten und Gesang vom Rhein erzählen

Gebärdendolmetscherin Claudine Bohère-Püschel gibt bei der Probe den Text an.

BONN. Ein wenig seltsam hat es ausgesehen, diese vielen Menschen, wild gestikulierend, im hinteren Teil des Lokals. So mancher Gast in der Rheinlust wird sich gewundert haben, was da vor sich geht. Dort probte zum ersten Mal Ohrenkuss.

"Es ist für Leute, die nicht singen können oder die glauben, sie könnten nicht singen", so die Initiatorin des Chor-Projektes, Katja de Bragança. Die Teilnehmer sangen zwar bekannte Lieder aus dem Rheinland und über den Rhein, allerdings ging es hier nicht darum, den richtigen Ton zu treffen, sondern quasi um den richtigen Fingerzeig.

Denn während Chorleiter Lutz Peschke auf Melodie und Text achtete, übersetzte Gebärdensprachdolmetscherin Claudine Bohère-Püschel die Worte in die Gebärdensprache.

"Musik und Lieder verbinden die Menschen", so de Bragança. Sie ist Chefredakteurin der Zeitung Ohrenkuss, die überwiegend von Menschen mit Down-Syndrom gemacht wird. Einige aus der Redaktion seien auch in dem Chor. Allerdings ist dieser nicht ausschließlich für Menschen mit Behinderung, sondern eben auch für solche, die sich sonst nicht trauen würden zu singen.

In ihrer Arbeit orientiere sie sich fast ausschließlich an der Gebärdensprache, so Claudine Bohère-Püschel. In dem Chor weiche sie allerdings etwas ab. "Hier passe ich das den hörenden Menschen an."

Der geübte Gebärdensprachchorteilnehmer führe für das Lied "Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wär" beispielsweise unter anderem zweimal die Hand ans Kinn für "Wasser" oder für "Wein" einmal an den Mund. "Das Besondere ist, dass hier versucht wird, mit Menschen zu singen, die verschiedene Begabungen haben", so Chorleiter Lutz Peschke.

Damit solle eine Brücke geschlagen werden zu den Menschen mit Down-Syndrom. "Wir sind heute hier, weil wir gerne zusammen Musik machen", sagte Teilnehmerin Andrea Brunn. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen war sie bei der Probe, ihr Sohn Johannes ist einer der Chorteilnehmer mit Down-Syndrom.

"Er kann nicht schreiben und lesen, aber er kann singen. Das ist für ihn die Möglichkeit sich auszudrücken", so Brunn. Der Chor gebe ihrem Sohn ein gutes Selbstwertgefühl. "Wirklich gut singen kann ich nicht", sagte dagegen Peter Deimling. Immerhin lenke die Gebärdensprache etwas vom Gesang ab, freute er sich.

Zwar gestaltete sich die gesamte Kombination aus Gestik und Musik anfangs noch etwas holprig. Am Ende war die erste Probe aber ein Erfolg.

Der Ohrenkuss-Chor hat allerdings noch viel zu tun. Im Juni soll er eine Kunstausstellung über den Rhein, unter anderem mit Bildern der Ohrenkuss-Redaktion, mit fünf Liedern eröffnen. De Bragança hofft, dass es danach mit dem Chor weitergeht - samt Gebärdensprache.