Buchtipp

Mit August Macke durch Bonn

Kaum verändert hat sich der Blick in den Bonner Hofgarten: August Macke zeichnete ihn im Jahr 1905. FOTO: AUS DEM BUCH

Kaum verändert hat sich der Blick in den Bonner Hofgarten: August Macke zeichnete ihn im Jahr 1905. FOTO: AUS DEM BUCH

Bonn. Ein anregender Stadtführer verknüpft Leben und Werk des Malers August Macke mit der Stadtgeschichte. In elf Kapiteln geht es durch Bonn.

Das farbige Blatt „Hofgarten in Bonn“ gilt als August Mackes erstes Parkbild überhaupt. Die äußerst selten gezeigte, 1905 entstandene Zeichnung aus Privatbesitz weicht stark von der typischen Farbigkeit Mackes ab, auch der strenge Realismus erstaunt. Bis auf die für das frühe 20. Jahrhundert passend gekleidete Frau mit Kinderwagen und Kind sieht der Bonner Hofgarten mit dem Akademischen Kunstmuseum am linken Bildrand aus wie heute. Im lesenswerten Büchlein „Mit August Macke durch Bonn“ ist die Hofgartenzeichnung mit einem Foto von 1905, das den Vater von Mackes Schüler Paul Adolf Seehaus unter mächtigen Ulmen zeigt, und einer Aufnahme unserer Tage zu sehen.

Erstaunlich wenig hat sich verändert. Im Kapitel „Standort Hofgarten“ liest man über die Genese dieses Ortes – von der barocken Anlage zum „Volksgarten“ und Freizeitgelände, zur Hofgartenwiese für Massendemonstrationen in der jungen Bundeshauptstadt bis zum Campus für Studenten. Bis auf die nach schweren Bombenschäden abgeholzten und in der Nachkriegszeit durch Linden ersetzten Ulmen ist dieses Ambiente wie zu Mackes Zeiten ein Ort der Ruhe und des Müßiggangs.

Im Buch, das am Donnerstag im neuen Macke Museum vorgestellt wurde, führt der Parcours weiter zum „Standort Kaiserplatz“, wo die Nazis vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal ihre Aufmärsche zelebrierten, und zur Straße Am Hof, wo zu Mackes Zeiten an der Hausnummer 30 der Buch- und Kunstsalon Cohen war. Einer der Brennpunkte des kulturellen Lebens: Der kulturpolitisch äußerst aktive junge Macke brachte hier 1913 seine Rheinischen Expressionisten zur Ausstellung und kreierte damit ein Kunst-Label, das bis heute Bestand hat. Das Buch stellt in einem Exkurs die Meister von Max Ernst und Carlo Mense bis Hans Thuar und Heinrich Nauen vor.

Weiter geht es im Parcours zum „Standort Bahnhof“. Ein ungewöhnlich düsteres, schwermütiges Bild Mackes eröffnet dieses Kapitel. Es handelt sich um das Gemälde, das der junge Maler auf der Staffelei in seinem Bonner Atelier hinterließ, als er am 8. August 1914 die Stadt mit dem Infanterieregiment 160 in Richtung Westfront verließ. Am 26. September fiel der gerade einmal 27-jährige Maler in der Champagne.

August Mackes letztes Bild

Das zurückgelassene Bild, das „Abschied“ oder auch „Mobilmachung“ genannt wird und im Museum Ludwig in Köln hängt, vermittelt das bange Gefühl, das dieser sonst so heitere Maler in jenen Kriegstagen hatte.

Das Buch zeigt ferner marschierende Soldaten, den Maler in Uniform mit Frau Elisabeth und Hund, außerdem Karikaturen, die Macke während des einjährigen Freiwilligendiensts in der Ermekeilkaserne zeichnete: grotesk marschierende Soldaten, eher schlappe Kameraden bei Turnübungen auf dem Hof. „Er konnte alle Typen wunderbar nachahmen in Gesten und Reden, vom dümmsten Muskoten bis zum eingebildeten Herrn Feldwebel und dem Herrn Hauptmann“, erinnerte sich Elisabeth.

Mackes Zeit in Bonn wird mit dieser Publikation lebendig. Sie funktioniert als Lesebuch, aber auch als Führer durch Mackes Stadt. Der startet natürlich an Mackes Wohnhaus mit einer Vorstellung des Künstlerhauses und des Erweiterungsbaus. In zehn Kapiteln durchstreift der Band die Stadt. Beate Marks-Hanßen und Horst-Pierre Bothien haben knappe, sehr lesenswerte Texte beigesteuert, Volker Adolphs liefert in einem elften Kapitel ein Kurzporträt des Kunstmuseums Bonn nach, das eine der größten Sammlungen der Kunst Mackes beherbergt.

Die Herausgeber Bothien, Bassim Hashim und Harald Ott haben sogar daran gedacht, kulinarische Tipps für die Flaneure auf Mackes Spuren bereitzuhalten. Im Laufe des Parcours wird hier und da auf Gastronomie am Rande hingewiesen. Im Anhang kann man die Reise mittels QR-Codes, die weitere kulturelle Orte der Stadt und Einkehrmöglichkeiten auflisten, auch virtuell fortsetzen. Insgesamt ein hochinformatives Buch mit vielen Fundstücken und historischem Material, das die Eindrücke aus dem historischen Macke Haus vor Ort im Stadtgebiet vertiefen hilft.

Mit August Macke durch Bonn... eine Stadtführung – damals und heute. Hrsg. von Bothien, Hashim, Ott, 95 S., 9,95 Euro. Erhältlich im Museums-Shop und in vielen Bonner Buchhandlungen.