"Meine Devise: Nicht warten, sondern anpacken"

<b>Margarethe Jochimsen</b>, Peer Steinbrück.

<b>Margarethe Jochimsen</b>, Peer Steinbrück.

Verdienstkreuz für Margarethe Jochimsen, Gründungsdirektorin des Bonner Macke Hauses

Bonn. "Ich glaube, Sie sind ein anstrengender Mensch", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück zu der Gündungsdirektorin des August Macke Hauses, Margarethe Jochimsen. Und er meinte das durchaus positiv und anerkennend, bezog sich auf deren "Leidenschaft für Kunst und Kultur" im Allgemeinen und die Rettung und den Aufbau des Macke Hauses als "internationales Schmuckstück in dieser an Attraktionen nicht eben armen Stadt" im Besonderen.

Steinbrück war ins Atelier des Macke Hauses gekommen, um Margarethe Jochimsen das von Bundespräsident Johannes Rau - der übrigens 1991 das Macke Haus eröffnete - verliehene Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu überreichen.

In seiner Laudatio rekapitulierte der Ministerpräsident wichtige Stationen der 1931 geborenen Kunsthistorikerin. Seit 1974 lebt sie in Bonn, wo sie sogleich eine aktive Rolle im Kunstverein einnahm. Ihr Name sei, so Steinbrück, mit einer Öffnung der Institution zur internationalen Gegenwartskunst verbunden.

Von 1981 bis 1996 prägte sie den Kunstverein als Vorsitzende. In dieser Zeit liegt der Einzug in die umgebaute Blumenhalle am Hochstadenring - und die "Entdeckung" des Macke Hauses unweit des neuen Kunstvereins.

Kurz vor der Entkernung stand August Mackes Wohnhaus, die Baugenehmigung, das Anwesen zur Gaststätte umzubauen, lag vor, und es sah alles so aus, als würden vollendete Tatsachen geschaffen.

1988 ergriff Margarethe Jochimsen die Initiative zur Rettung des Hauses, 1989 gründete sich der Verein August Macke Haus, 1991 konnte man Eröffnung feiern, Margarethe Jochimsen wurde Direktorin.

Seinbrück lobte die "Energie und Durchsetzungskraft", mit der sie ihr Amt versah, "als Kunstexpertin und engagierte Bürgerin der Stadt", erwähnte ihre Lehrtätigkeit an der Bonner Universität und die Arbeit im Kuratorium von Schloss Moyland. Der Ministerpräsident würdigte aber auch Margarethe Jochimsens vorbildliches Eintreten für einen Kulturbegriff, der "jenseits der Fünf-Minuten-Terrine des schlechten Geschmacks" liege, den "uns heute Seifenopern servieren".

In ihrer Erwiderung gab sich Margarethe Jochimsen "betont unbescheiden", denn "wenn man etwas durchsetzen will, stellt sich die Frage der Bescheidenheit nicht". So verknüpfte sie den Dank mit der Forderung an die Politik, sich stärker in der Kulturförderung zu engagieren. Dass sie dabei auch das Land NRW meinte und - "ich bin begeistert von dem Modell" - auch die Anbaupläne fürs Macke Haus und deren Finanzierung, konnte man deutlich heraushören.

"Nicht warten, sondern anpacken", bleibt ihre Devise.