Masurs Meisterkurs geht mit Abschlusskonzert zu Ende

Im sinfonischen Kosmos - Finale mit Maestro in der Beethovenhalle

Bonn. Zehn Tage lang hielt sich Kurt Masur in Bonn auf, um mit zwölf jungen Dirigenten aus nahezu allen Teilen der Welt den Kosmos der Sinfonien Beethovens zu ergründen.

Immer dabei waren auch die Musiker des Beethoven Orchesters, die, so Masur beim ausverkauften zweiten Abschlusskonzert in der Beethovenhalle, den Meisterkurs-Teilnehmern bei den Proben "mit Liebe und Geduld" geholfen hätten. "Sie haben so gespielt, wie sie dirigiert wurden. Und das war im Guten wie im Schlechten der Fall." Wobei sich letzteres insofern relativiert, als das Niveau der aus über 100 Bewerbern ausgewählten Kandidaten insgesamt sehr hoch war.

In seiner kurzen Rede sprach Masur über die Bedeutung des Dirigenten für die Interpretation und den Klang des Orchesters und kritisierte den Trend zum "schneller, höher, weiter" unter den Beethoven-Interpreten. Irgendwie schien sich die in den Niederlanden und in Amerika beheimatete Hebe de Champeaux die Mahnung ein wenig zu sehr zu Herzen genommen zu haben.

Die 28-Jährige legte beim Eröffnungssatz der achten Sinfonie, mit der das Konzert begann, ein etwas zu gemächliches Tempo vor, bei dem nur wenig von dem in der Partitur geforderten "Brio" zu hören war. Das wirkte sich insbesondere auf die Durchführung aus, die ein wenig zerfaserte, statt dramatischer Kulminationspunkt zu sein.

Der zweite Satz dieser Sinfonie ist zwar originell und auf eine charmante Art witzig, aber bei einem solchen Abschlusskonzert auch ein wenig undankbar, weil es hier sehr schwierig ist, Persönlichkeit zu zeigen. Der 1980 in Singapur geborene und in New York studierende Joshua Kangming Tan gab der Musik eine humorvolle Unbeschwertheit mit auf den Weg, die das Orchester sehr schön umsetzte.

Die beiden letzten Sätze übernahm dann der 27-jährige Ungar Gábor Káli, der Hörner und Klarinette im Trio des Menuetts mit sensibler Hand führte und auch im Finale schöne Details herausarbeitete. Für die spannendste Begegnung mit dem Beethoven Orchester sorgte jedoch die vor 23 Jahren in Litauen geborene Mirga Grazinyte. Bereits in der langsamen Einleitung zur siebten Sinfonie war der Klang des Beethoven Orchesters plötzlich ein anderer, wirkte scharf konturiert, wie in Stein gemeißelt.

Auch im Vivace setzte Mirga Grazinyte ihre sehr klaren Klangvorstellungen und Ideen mit ganz selbstverständlicher Souveränität um. Die Innenspannung, mit der sie das Allegretto-Tempo des Trauermarsches versah, war schlicht überwältigend. Auch wenn die Dirigierbewegungen des 31-jährigen Südkoreaners Byoungwhie Chung demgegenüber ein wenig steifer wirkten, machte er seine Sache insgesamt sehr gut, ebenso der einzige Deutsche des Meisterkurses, Christian Schumann, der das Beethoven Orchester im rasanten Finale zu mitreißendem Spiel führte.

Im Sog dieser Musik setzte der 26-Jährige wirkungsvolle Akzente und blieb noch im wildesten Taumel immer Herr des Geschehens. Am Ende begab sich Masur selbst noch einmal ans Dirigierpult, um mit einer schnörkellosen, gänzlich unprätentiösen "Fidelio"-Ouvertüre zu demonstrieren, dass Beethovens Musik am besten wirkt, wenn man ganz der Partitur vertraut.

Der begeisterte Beifall am Ende war der Lohn für zehn Tage harter Arbeit, bei der in den Proben und bei den Abschlusskonzerten insgesamt 7 000 Zuhörer in die Beethovenhalle gekommen waren. Ein schönerer Erfolg lässt sich für den vom Beethoven-Haus in Zusammenarbeit mit dem Beethoven Orchester und dem Dirigentenforum des Deutschen Musikrats veranstalteten Internationalen Beethoven Meisterkurs für Dirigieren kaum denken.