Martin Turnovsky dirigiert Beethovenorchester

Ehemalige musikalische Leiter der Bonner Oper kommt für einen Abend zurück in Beethovenhalle

Bonn. In Strawinskys "Feuervogel-Suite" stand er im vergangenen Oktober nach langer Zeit wieder einmal am Pult des Beethovenorchesters. Nun kehrt Martin Turnovsky, von 1979 bis 1983 musikalischer Leiter der Bonner Oper, erneut in die Beethovenhalle zurück.

Im neunten Sonntagkonzert der Saison präsentiert er ein klassisch-romantisches Programm mit Antonin Dvoraks letzter sinfonischer Dichtung "Die Waldtaube", Gustav Mahlers "Kindertotenliedern" und Ludwig van Beethovens Siebter Sinfonie. Ein Konzert mit starken, aber sich ergänzenden Kontrasten, wie Turnovsky beim Gespräch im Dirigentenzimmer der Beethovenhalle erläutert.

Als "großartig und tieftraurig" empfindet er die Mahlerschen Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert, mit denen der Dichter versuchte, den Tod seiner Kinder zu verarbeiten. Die Vertonungen rechnet Turnovsky zum Schönsten, was Mahler überhaupt geschaffen hat. 2004 führte er diese bewegende Trauermusik im ehemaligen KZ Theresienstadt auf, dem Ort, an dem unter anderem 1500 polnische jüdische Kinder umgebracht wurden.

"Ergreifend" habe damals die Sängerin Bernarda Fink ihre Partie gestaltet, erinnert er sich. Sie war auch als Solistin im Bonner Sonntagskonzert vorgesehen, musste jedoch krankheitsbedingt absagen. Ihre Partie übernimmt nun Iris Vermillion. Der Mahlerschen Abschiedsmusik steht mit Beethovens rauschhafter A-Dur-Sinfonie Musik gewordene "Energie, Übermut und Freude" gegenüber, zugleich eine "schweißtreibende" Herausforderung für den Dirigenten, weiß Turnovsky.

Der 1928 in Prag geborene Dirigent kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Seine Lehrmeister waren Karel Ancerl und George Szell, legendärer Chef des Cleveland-Orchestras. "Er hat akribisch geprobt und war sehr streng", erinnert sich Martin Turnovsky, "die Musiker haben ihn gehasst." Derlei Probenarbeit sei nicht seine Sache, "da fehlt mir die Wärme", sagt er und schwärmt von Leonard Bernstein, der schon in den Proben "ein Vulkan" war.

Es folgten Engagements bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden und der Semperoper, den Prager Sinfonikern sowie an der Norwegischen Oper in Oslo. 1968, nach dem Einmarsch russischer Truppen in Prag, emigrierte Turnovsky nach Wien. Danach dirigierte er zahlreiche führende westliche Orchester wie etwa das New York Philharmonic Orchestra, die Wiener Philharmoniker oder das London Symphony Orchestra. 1979 wurde Turnovsky in Bonn Part eines Tandems mit Jan Krenz.

Der wollte seine internationalen Verpflichtungen nicht vernachlässigen und sich auf die sinfonische Musik konzentrieren. Turnovsky herrschte im Orchestergraben der Oper. Eine "wunderbare" Inszenierung von Rossinis "Barbier" ist ihm noch in guter Erinnerung. Seit rund zehn Jahren ist Turnovsky ständiger Gastdirigent des "Gunma Symphony Orchestra" im japanischen Takasaki. Überrascht ist er von den Bonner Plänen für eine neue Konzerthalle. Eine "sehr gute Akustik" sei das Wichtigste, betont er. Ob er dort einmal dirigieren werde? "Abwarten", meint er mit Blick auf seine fast achtzig Jahre, bleibt aber optimistisch: "Die Musik hält mich frisch."

Sonntag, 8. Juni, 18 Uhr, Beethovenhalle.