Pantheon in Bonn

Marla Glen - Das gewisse Etwas

Frau mit Hut: Sängerin Marla Glen im Pantheon.

BONN. Anzug, Hut, Krawatte und Zigarre? Das ist keine Beschreibung von Humphrey Bogart in der berühmt-berüchtigten "Schwarzen Serie" der 40er. "This Is Marla Glen": So hieß 1993 das Debütalbum der 1960 in Chicago/Illinois geborenen Sängerin, die den Blues nicht singt: deren Stimme, so schwarz und so rauchig, der Blues ist.

Auch wenn sie - wie sie jetzt bei ihrem Konzert im ausverkauften Pantheon bekannte -, eigentlich gar nicht mehr hören wolle, wie toll ihre Stimme sei. Ist sie aber: Da muss Marla Glen jetzt durch. Allein ihre Version von James Browns "This Is A Man's World" wäre den Eintritt wert gewesen.

Ebenso wie "The Cost Of Freedom", neben "Believer" eines ihrer bekanntesten Stücke hierzulande, und die wunderschöne Ballade an ihre Mutter ... und an Gott, weil der Glaube in Glens Leben und in ihren Songs seit jeher eine bedeutende Rolle spielt.

Dies alles soll aber nicht heißen, dass Melancholie bei ihrer Pantheon-Premiere den Ton angegeben hätte. Dafür ist Marla Glen auch mit 54 Jahren viel zu quirlig. Sie mag sich durch harte Zeiten gekämpft haben, beruflich und privat. Aber sie hat dieses gewisse Etwas, das man schwerlich definieren, aber in ihren Auftritten spüren kann. In der Art, wie sie sich bewegt, wie sie lacht, mit ihrem Publikum spielt. Lässig und verletzbar in derselben Sekunde.

Nach ein paar Stücken und der kehligen, wunderbar selbstironischen Moderation, nach ein paar Grimassen - einem entschiedenen Nein an das Bild der unnahbaren Diva - sind die Zuschauer mit ihr vertraut. Danken es Marla Glen mit stehenden Ovationen. Sie strahlt, sie lacht dazu. Und das darf ihr jeder glauben. Aber gern, bis zum nächsten Konzert ...