Pianistin Dina Ugorskaja

Markante musikalische Charakterzüge

Bonn. Pianistin Dina Ugorskaja spielte im ausverkauften Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses.

In Bonn ist sie keine Unbekannte: Die Telekom Competition 2005 konnte sie zwar nicht für sich entscheiden, eine glänzende Karriere ist ihr aber auch ohne die "Weihen" durch Pavel Gililov und seiner honorigen Jury-Kollegen gelungen, denn Dina Ugorskaja hat die Musik im Blut:

Die 1973 in Leningrad geborene Tochter des Pianisten Anatol Ugorski, debütierte als Vierzehnjährige mit Beethovens viertem Klavierkonzert und komponierte mit 15 ihr erstes Streichquartett, das 1989 in der Philharmonie ihrer Geburtsstadt aus der Taufe gehoben wurde. Seit 1990 lebt sie in Deutschland, wo ihre beiden Einspielungen mit späten Beethoven-Sonaten viel Kritikerlob erfahren haben. Im bis auf den letzten Platz gefüllten Kammermusiksaal griff sie denn gleich auch mit op. 101 in A-Dur auf die erste jener fünf letzten Sonaten zurück: "Heiliger Boden (für alle Musikalischen)", wie Joachim Kaiser einst befand.

Den betritt Ugorskaja in sensibler Souveränität mit einer Anschlagskultur, die außergewöhnlich differenziert ist und im Oszillieren zwischen Sprödig- und Innigkeit dem reduziert-konzentriert "späten", dem zukunftsweisenden Beethoven markante Züge verleiht. Sekundierend "erweitert" wird dieser durch Schumanns groß angelegte romantische C-Dur-Fantasie und Brahms' drei Intermezzi op. 117. Opulent gestaltete Farbenpracht folgte abschließend mit Werken Skrjabins, darunter seine lautmalende Sonate Nr. 7, ("Weiße Messe") op. 64 und - als Zugabe - sein op. 9 (für die linke Hand).