Manfred Beilharz wird 70 Jahre

Manager, Regisseur, Entdecker: Der Intendant des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden prägte in Bonn elf Jahre lang das kulturelle Leben der Stadt

Bonn. Als Manfred Beilharz 2002 Bonn verließ, redete er Klartext: "Ich bin künstlerischer Leiter und kein Sanierer." Beilharz wollte die Spar-Orgie, die die Stadt dem Theater nach dem Wegfall der Bundesmittel verordnete, nicht mitmachen: "Ich habe nicht vor, mich in den nächsten Jahren dadurch zu profilieren, dass ich ökonomisch in Not geratene Theater neu strukturiere."

Er musste es auch nicht. Er wurde vom Land Hessen umworben. Beilharz übernahm die Intendanz des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und führt das Haus so erfolgreich, dass man seinen Vertrag bis 2014 verlängert hat. Dann wird Beilharz 76 sein. Morgen feiert er erst einmal seinen 70. Geburtstag.

Man hat in Bonn gute Erinnerungen an diesen Intendanten, an elf Jahre, die künstlerisch spannendes wie genussreiches Theater geboten haben. Seine Entscheidung für Bonn im Jahr 1997 war ein bisschen überraschend. Beilharz wechselte von Kassels Drei-Sparten-Haus an das Bonner Schauspiel, das sich unter Peter Eschberg einen guten Ruf erarbeitet hatte.

Er sah offenbar die Chancen, die ein (damals) üppig mit Bundesmitteln ausgestatteter Theater-Etat bot. Er nutzte sie. Bonns Schauspiel wurde dreimal zum Berliner Theatertreffen eingeladen, spielte sich in die Spitzengruppe der deutschen Bühnen. Das hatte viel zu tun mit Beilharz' Sinn für Qualität und mit seinem Gespür für begabte Schauspieler und hochinteressante junge Regisseure.

Es war nur folgerichtig, dass man ihm, als die Stadt sich wieder einmal von der Spartentrennung verabschiedete, auch die Leitung der Oper anbot. Das Haus am Boeselagerhof war unter Jean-Claude Riber auf Stars fixiert, geriet unter Gian-Carlo del Monaco in einen Schlingerkurs zwischen hinreißend und banal. Beilharz brachte wieder Profil in die Oper.

Das hätte so auf Lebenszeit wohl weitergehen können, wenn nicht die Finanzen dazwischengekommen wären. Beilharz kämpfte für sein Theater, versuchte, die Stadt auf einen moderaten Sparkurs einzuschwören. Ebenso eindringlich wie berührend waren seine Reden vor dem Kulturausschuss.

Es half nichts. Seinen Wechsel nach Wiesbaden begründete der Intendant mit einem Satz, der für sich spricht - und für ihn: "Ich sehe mich außerstande, den notwendigen Personalabbau an Menschen vorzunehmen, die mein Vertrauen haben."

Wiesbadens damalige Kunstministerin Ruth Wagner fasste zusammen, was die Beilharz-Zeit in Bonn ausgemacht hat: " Wir freuen uns, dass nun das Staatstheater Wiesbaden von der großen künstlerischen Kreativität und Regie-Erfahrung sowie von den Manager-Qualitäten des renommierten Theatermannes Beilharz profitieren wird."

Das tut Wiesbaden denn auch kontinuierlich, das Haus zählt zu den bestbesuchten in Deutschland. Auch hier bewährt sich die Beilharz-Devise, "das Publikum beim Vergnügen an der Erkenntnis, aber auch am Sinnlich-Theatralischen auf seine Kosten kommen zu lassen". Wiesbaden präsentiert zudem alle zwei Jahre die "neuen Stücke aus Europa", die erfolgreiche Original-Biennale also, die Manfred Beilharz aus Bonn mitgenommen hat.

Beilharz ist Theatermann durch und durch, mit vielen internationalen Ehrenämtern dazu; seinen Doktor freilich hat er in Jura gemacht, was für die komplizierten Bühnengeschäfte auch keine schlechte Voraussetzung ist. An die juristischen Fallstricke des Berufs wurde er erinnert, als er vor ein paar Wochen in Wiesbaden eine "Salome"-Inszenierung zeigte, bei der nicht unwesentliche Elemente der Arbeit eines Kollegen "entliehen" waren.

Da war schon mal von Plagiat die Rede, ein kleiner Flecken in einer Bilanz, an der sich eine Intendanz an die andere reiht: Landestheater Tübingen, die Bühnen in Freiburg, Kassel, Bonn und jetzt Wiesbaden.

Beilharz inszeniert nicht oft. Wenn, dann greift er zu den großen Werken des Repertoires, zu "Wozzeck", "Falstaff" oder "Fidelio", oder er setzt sich ein für Vergessenes, Sperriges wie "Tiefland" oder "Das Käthchen von Heilbronn".

Zu seinem Bonner "Fidelio" hieß es im General-Anzeiger: "Beilharz inszeniert in Demut gegenüber dem Werk und dem Komponisten. Bonns Generalintendant, in den letzten Wochen von der Kulturpolitik gebeutelt und geknebelt, nimmt sich ganz zurück in dieser Arbeit; was nicht bedeutet, dass er nichts zu sagen hätte.

Er sagt es nur stiller und schlichter. Die Inszenierung ist fast ein Zeichen der Ruhe inmitten all der (vor)schnellen politischen Konzepte, ein Zeichen der Ruhe freilich auch in all dem Regie-Aktionismus, der die Opernbühnen hier zu Lande häufig überfällt." Dieser "Fidelio" hat viel ausgesagt auch über Manfred Beilharz.