"Manchmal bin ich sprachlos, was mich anschaut"

<b>Auf tönernen Füßen: </b>Die berühmten chinesischen Terrakotta-Soldaten haben Margret Weise zu ihren Figuren inspiriert.

<b>Auf tönernen Füßen: </b>Die berühmten chinesischen Terrakotta-Soldaten haben Margret Weise zu ihren Figuren inspiriert.

Margret Weise aus Naumburg an der Saale zeigt tönerne Kriegsherren in der Galerie Dietz in Meckenheim

Meckenheim. (rom) Die Abneigung gegen Götzendienst und Machtüberschätzung ist bei Margret Weise spürbar. Ihre chinesischen Kriegsherren mit grimmigen Gesichtern stehen auf tönernen Füßen. Weise hält ihnen den Spiegel vor oder verleiht ihnen als gefallene Engel Flügel.

Eine merkwürdige Faszination geht von den Verformungen und Maserungen der verschiedenen Ton-Arten aus. Zu sehen sind die Geschöpfe der Künstlerin aus Naumburg an der Saale in der Galerie Dietz.

Margrets Weises Kriegsherren haben gebrannte "Väter": rund 8 000 Soldaten der "Terrakotta-Armee" des ersten chinesischen Kaisers. Deren Ausgrabung im Jahr 1974 weckte die schöpferische Neugier der Künstlerin.

Sie bekam Nachbildungen geschenkt, spielte damit, bis sie wusste: "Da muss etwas passieren." Während sich die chinesischen Soldaten wie ein Ei dem anderen gleichen, löst sich Weise vom Vorbild.

Und das, obwohl jeder Kopf eine Kopie des anderen ist. Der Unterschied liegt einmal in der Perspektive, dann in der Technik. Weise verleiht dem Machthaber scheinheilige Engelsflügel - und rechnet ab. Als seine Schöpferin zwingt sie ihn zu Tantalus-Qualen. Seinen eigenen Grimassen kann er im Spiegelbild nicht entgehen.

Ihres herrischen Anspruchs werden die Armeen wegen ihrer Zerbrechlichkeit nicht gerecht. Weise arbeitet mit schamottiertem Ton, auch in Raku, der japanischen Feuerbrenntechnik, oder mit Glattbrand im Elektroofen. Verfahren, die Varianten und Nuancen schaffen, aber Risiken bergen. Den Brand habe man nur teilweise im Griff, meint Weise. Ist ihre Figur modelliert und fertig, gebe sie sie beim Brand buchstäblich aus der Hand.

Dieser Mut zeigt Innen- und Außenwirkung, bei der Künstlerin: "Manchmal bin ich sprachlos, was mich später anschaut." Und bei anderen: Margret Weise siegte 2002 beim Internationalen Wettbewerb für Porzellan in Kroatien. Die Werke der 62-Jährigen stehen in zahlreichen Museen und Sammlungen vom Berliner Keramik-Museum bis zur Staatlichen Galerie in Moritzburg.

Margret Weises Skulpturen sind in der Galerie Sieglinde Dietz an der Dechant-Kreiten-Straße 21 noch bis zum 29. Juni zu sehen.