Kunstfest im Macke-Haus

Macke für alle

Bonn. Zum fünften Mal findet in der Nordstadt das Macke Viertel Fest statt. Am 7. Mai öffnen Galerien, Museen und Begegnungsstätten ihre Türen und zeigen mit Konzerten, Ausstellungen und Lesungen die bunte Vielfalt des lange unterschätzten Quartiers rund um Viktoriabrücke, Macke-Haus und Kunstverein.

Der Schutzhelm sitzt fest auf dem Kopf, der Blick ist geschärft. Jetzt kann Klara Drenker-Nagels wieder über ihre Baustelle marschieren. Für die Direktorin des August Macke Hauses gehört das momentan zum Alltag. Bei Wind und Wetter sind draußen an der Ecke Bornheimer Straße/Hochstadenring die Bauarbeiter beschäftigt – und Drenker-Nagels ist immer nah dran. Neben dem alten Macke-Wohnhaus, seit 1991 Museum, entsteht ein Erweiterungsbau, der zum 130. Geburtstag des Künstlers 2017 eröffnet wird. Bis dahin ist noch jede Menge zu tun.

Um einen Blick hinter die Baustellenkulisse zu geben und schon einmal über das künftige Gebäude zu informieren, bietet Drenker-Nagels mit dem Architekten Thomas Kaldewey bald Führungen an. „Vom Keller bis zum Dachgeschoss. Wir wollen den Baustellenbesuchern zeigen, was sie künftig als Museumsbesucher erwartet“, sagt die engagierte Museumsmacherin. Im Atelier hängt sie gerade die Grundrisspläne auf und stellt die Modelle zur Anschauung bereit.

Am 7. Mai können sich alle Macke-Fans und solche, die es noch werden, ein Bild davon machen. Dann findet unter der Federführung des Museums und anderer Kultureinrichtungen in der Nordstadt zum fünften Mal das Macke Viertel Fest statt. Im Mai 2012 gab es das zum ersten Mal. Angefangen hat die Überlegung, im geografisch nicht klar gefassten Quartier rund um Viktoriabrücke, Bornheimer Straße und Frankenbad, ein Straßenfest auszurichten, schon 2009. Damals fand unter dem Motto „Kunterbunt gegen Nazis“ vor dem Kult 41 ein spontanes Fest statt, wie sich Nastascia Cuschié erinnert. Sie gehört von Anfang an zum Organisationsteam und vertritt die Fabrik 45. „Damals wurde das städtische Umfeld hier in Bewegung gesetzt und das Viertel auch erstmals überhaupt mit Macke in Verbindung gebracht“, sagt Cuschié. So entstand der Gedanke, im Viertel nachhaltig etwas auf die Beine zu stellen. Viele Institutionen aus Kultur und Kunst, die es in der Nachbarschaft gebe, hätten sich im Gegensatz zu anderen Stadtvierteln unterrepräsentiert gefühlt, sagen die beiden Organisatorinnen. Es entstand eine Initiative, die nun seit 2011 jährlich zum Straßenfest einlädt.

Dass Macke Namensgeber des Viertels und damit auch des Festes wurde, war keineswegs von ihrem Hause indoktriniert, sagt Drenker-Nagels. „Das hat sich einfach so ergeben.“ Das sieht auch Cuschié so. „Wir gehören nicht so richtig zur Weststadt, nicht so richtig zur Altstadt, sondern haben uns im Laufe der Jahre hier ein bisschen eine Insel geschaffen“, findet die Fabrik 45-Macherin. Dass nun immer mehr vom Macke-Viertel reden, erhöhe dabei die Identifikation aller Bonner mit dem Quartier.

Für Drenker-Nagels macht den Reiz des Viertels gerade seine Mischung aus etablierter Kunst und Subkultur aus. „Das ist so spannend hier – alles sehr quirlig und lebendig“, sagt sie auch mit dem Blick auf die vielen Graffiti. Was die Organisation betreffe, so profitiere man von den kurzen Wegen zwischen Frankenbad und Viktoriabrücke. „Wir brüten öfter mal Ideen bei einem Café auf dem Frankenbad-Platz aus“, verrät Cuschié. Dort entstünden auch neue Kooperationen für das Fest im Mai. Der Vorteil: die Organisation ist dezentral. Es gibt zwar einen gemeinsamen Flyer aller Teilnehmer, die gemeinsam für das Fest werben, aber jeder einzelne mache sein Programm selbst und sei dafür auch verantwortlich.

Cuschié hat in den letzten Jahren beobachtet, dass die Hemmschwelle, einmal in ein ganz anderes Haus reinzugehen, durch das Fest aufgeweicht wird. Da kommen dann klassische Macke-Besucher in der Fabrik 45 vorbei, oder Kunstverein-Liebhaber genießen die kulinarischen Köstlichkeiten in der DITIB-Gemeinde. „Klar, es ist auch Sinn und Zweck, neues Publikum für die eigene Einrichtung zu gewinnen“, sagt Cuschié.

Sie hat mit ihren Kollegen in der Fabrik 45 dieses Jahr ein straffes Programm auf die Beine gestellt. Die junge Theatergruppe Metalog von der Uni Bonn, die eine Woche zuvor bei der Theaternacht ihr Stück „In Tagen und Jahren nicht mehr“ aufführt, präsentiert sich in einer Szenischen Lesung nochmals am Hochstadenring. Die Südkoreanerin Hyunsoo Kim, bekannt für ihre Klanginstallationen, ist bereits zum dritten Mal in der Fabrik 45 zu Gast. „Das ist einfach eine besondere Type mit einem Faible für Punkbands“, freut sich Cuschié. Ihre Ausstellung „Ohne Grenzen“, zusammen mit Zoe Toms und Bernd Hagemann, feiert am Vorabend (6. Mai, 19-22 Uhr) mit Musik von Karin Gottbehüt Vernissage und endet mit einem Künstlergespräch am Sonntag (8. Mai, 15 Uhr). Am Samstag ist die Ausstellung auf dem Macke Viertel Fest zu sehen. Abends heizt Michael van Hallen von der Kölner Indie-Band Lauter Bäumen mit Gesang, Gitarre, Drumcomputer und Playbacks die Stimmung an.

Wie viel Idealismus dieses Fest auszeichnet, merkt man den beiden Organisatorinnen an, die mit Hildegard Kinzel (Macke-Viertel Initiative), Mechthild Teriete (Kindertagesstätte Sankt Helena) und Christof Domrowe (Fabrik 45) die kulturellen Institutionen und sozialen Einrichtungen im Bonner Norden miteinander verbinden. Bisher geht das alles ohne einen städtischen Zuschuss oder private Sponsoren.

„Wir helfen uns gegenseitig, deshalb ist das bisher gut händelbar“, sagt Drenker-Nagels, die das Nachbarschaftsfest gerne mit viel Bereitschaft und damit unabhängig fortführen möchte. Dafür müsse man immer vor Weihnachten mit der Vorbereitung beginnen, alte Teilnehmer anschreiben und neue zum Mitmachen gewinnen. So etwa die Galerie Schaumburg, die zum ersten Mal mit dabei ist. „Dagegen ist die Fabrik 45 eine reine Luxusbude“, sagt Cuschié und meint das nicht abwertend.

Schon Macke habe sich vor 100 Jahren hier im Quartier wohl gefühlt, betont Drenker-Nagels. „Künstler, Freunde, Nachbarn, alle waren bei ihm zu Gast. Er war ein begabter Netzwerker und eine Art Patron für das Viertel.“