Uraufführung beim Beethovenfest

MDR-Sinfonieorchester spielt beim Beethovenfest

Virtuoses Stolperspiel: Der Pianist Marino Formenti mit dem MDR-Sinfonieorchester.

Virtuoses Stolperspiel: Der Pianist Marino Formenti mit dem MDR-Sinfonieorchester.

Bonn. Das MDR-Sinfonieorchester spielt im Bonner WCCB Werke von Beethoven und Strauss. Und das neue Klavierkonzert von Bernhard Lang gibt es gleich zwei Mal zu hören.

Der Österreicher Bernhard Lang arbeitet sich in den letzten Jahren fleißig an der Musikgeschichte ab. In seiner „Monadologie“ genannten Werkreihe, deren Titel sich an Leibniz' Lehre anlehnt, hat der 1957 in Linz geborene Komponist bereits Musik unter anderem von Franz Schubert, Anton Bruckner und Giacomo Puccini „überschrieben“, selbst Richard Wagners „Parsifal“ hat Lang sich vorgenommen. Vor zwei Jahren erlebte das Bühnenweihfestspiel als „ParZeFool – Der Tumbe Thor“ eine Metamorphose. Von Beethoven fanden die Hammerklaviersonate und die siebte Sinfonie Eingang in die Serie. Eine überzeugendere Bewerbungsmappe für Nike Wagners jährlich bis zum Jubiläumsjahr 2020 wachsende Sammlung von Auftragswerken mit Musik über Beethoven dürfte kaum zu finden sein.

Für das Beethovenfest hat Lang nun das dritte Klavierkonzert in c-Moll als Grundlage für ein eigenes Klavierkonzert ausgewählt. Wie bei der Uraufführung im WCCB durch das MDR-Sinfonieorchester unter Leitung von Stefan Asbury und mit Marino Formenti am Flügel zu hören war, flackert unter den Klängen seiner Monadologie XXXIV ... loops for Ludvik“ beinahe permanent die Musik des Referenzwerks hindurch. Selbst wenn der Beginn an den Klang eines Gamelanorchesters erinnert, das Drum-Set dem Werk in kurzen Passagen eine jazzige Note verleiht oder die Musik von einem mikrotonalen Klangschleier überzogen wird, bleibt „Ludwig“ immer präsent. Es sind bei Weitem nicht nur die wichtigsten Themen aus dem c-Moll-Konzert, die hier eine Rolle spielen. Da können auch kleine Überleitungsfloskeln, durch den Loop-Wolf gedreht, zu musikalischen Hauptdarstellern wachsen. Die Effekte, die Lang damit erzielt, sind farbig und spannend, manchmal irritierend, manchmal auch ein bisschen lustig, wie zu Beginn des dritten Satzes, wo Lang das tänzerische Rondo-Thema des Originals völlig aus den Takt bringt. Formenti hat hörbare Freude an diesem virtuosen Stolperspiel, legt sich bei der Ausführung des anspruchsvollen Soloparts mächtig ins Zeug, während Asbury und das Orchester die Partitur schillern lassen.

Zum Ritual der Reihe der Beethovenfest-Auftragswerke gehört, dass die neue Komposition zwei Mal gespielt wird. Und nach dem Sandwichprinzip das Original dazwischen. Auch beim c-Moll-Konzert Beethovens saß Formenti am Flügel. Wie in Langs Stück spielte er zupackend, mit kraftvollem Anschlag, aber leider phasenweise auch etwas verhuscht. Insgesamt jedoch beeindruckte er mit seiner dreifachen Performance, die vom Publikum im schwach besuchten WCCB-Saal mit viel Beifall honoriert wurde. Der galt freilich auch dem anwesenden Komponisten.

Großen Beifall gab es am Ende des langen Konzertabends dann auch nach Richard Strauss' Dauerbrenner „Till Eulenspiegels lustige Streiche“, mit dem das Orchester nun allein im Fokus stand. Hier überzeugte es durch enorme Spiellaune, lebendige Phrasierung und große Virtuosität. Besonderen Applaus erhielten der Mann an der hohen Es-Klarinette und die Konzertmeisterin.