Opern- und Theatersaison 2013/14

Lust auf Entdeckungen: Bernhard Helmich und Nicola Bramkamp stellen ihre erste Bonner Spielzeit vor

Vor dem Alten Rathaus: (von links): Generalmusikdirektor Stefan Blunier, Schauspiel-Direktorin Nicola Bramkamp, OB Jürgen Nimptsch, Operndirektor Andreas K.W. Meyer, Generalintendant Bernhard Helmich und Kulturdezernent Martin Schumacher.

Bonn. Zur Begrüßung des neuen Bonner Generalintendanten Bernhard Helmich, der im Alten Rathaus die neue Theatersaison vorstellte, hatte sich Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch ein paar Worte bei Goethe aus den Gesprächen mit Eckermann ausgeliehen: Wenn ein Theaterdirektor einen Überschuss in der Kasse habe, heißt es da, "so soll von diesem Überschuss dem Direktor, den Regisseuren und den vorzüglichsten Mitgliedern der Bühne eine Remuneration (Gratifikation) zuteil werden."

Ob Helmich den Humor Nimptschs teilt, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Immerhin müssen er und seine Mitarbeiter eine Etatreduzierung von 3,5 Millionen Euro verkraften - aktuell noch abzüglich einer Anpassungshilfe von einer Millionen Euro. Dass er in der nächsten Spielzeit trotzdem sieben Neuproduktionen auf die Bühne bringen wird, spricht für seine Rechenkünste.

Eröffnet wird die Saison mit einer Koproduktion mit dem Beethovenfest: George Benjamins hochgelobte Oper "Written on Skin", die nach der Uraufführung in Aix-en-Provence nun in Bonn in einer Neuinszenierung zu erleben ist. Die weibliche Hauptrolle singt Miriam Clark. Zwei Repertoire-Klassiker stehen auf Helmichs Spielplan, und beide mit der Kanadierin Yannick-Muriel Noah in der Titelrolle: Puccinis "Tosca" und - als später Beitrag zum Verdi-Jahr - "Aida". Regie führt Verdi-Experte Dietrich Hilsdorf, der in Bonn ebenso Stammgast ist wie an Helmichs derzeitiger Wirkungsstätte Chemnitz.

Mit "Der Traum, ein Leben" von Walter Braunfels präsentiert Helmich eine Opernrarität mit prominenter Besetzung: Es singen Endrik Wottrich und Manuela Uhl. Die Produktion wird vom Rundfunk mitgeschnitten und als CD veröffentlicht werden. Mit Massenets "Thaïs" erfüllt Helmich einen Herzenswunsch von Generalmusikdirektor Stefan Blunier, dem in der kommenden Saison der Dirigent Hendrik Vestmann zur Seite steht. Blunier: "Er ist sehr energisch als Person und sehr ambitioniert."

Die Tradition der Familienoper wird mit Jonathan Doves "Pinocchio" fortgesetzt. Auch Lloyd Webbers "Jesus Christ Superstar" soll junge Leute ködern. Als Wiederaufnahmen sind die Uraltproduktionen "Hänsel und Gretel" sowie Mozarts "Zauberflöte" vorgesehen.

Politisches Theater will sie machen, weil auch Bonn eine politische Stadt sei, sagt die neue Bonner Schauspielchefin Nicola Bramkamp, und: "Wir wollen anrührende, aufregende, unvergessliche Abende bieten."

Politisch wird es gleich mit "Karl und Rosa", eine Uraufführung nach einem Roman von Alfred Döblin, der darin Deutschland im Herbst 1918 skizziert. Regie wird die neue Hausregisseurin Alice Buddeberg aus Hamburg führen.

Bramkamps zweites Hausregieteam besteht aus Mirja Biel, die vom Bühnenbild her kommt, und Jörg Zboralski, Meisterschüler von Gerhard Richter. Sie werden Rainer Werner Fassbinders Zukunftsvision "Welt am Draht" auf die Bühne bringen. Außerdem serviert das Team Büchners "Leonce und Lena", neben Friedrich Hebbels "Nibelungen", die der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson mit seinem lettischen Bühnenbildner Vytautas Narbutas mit der isländischen Sagenwelt verquirlt, und Henrik Ibsens "Wildente" (Regie: Martin Nimz) die Klassiker des Spielplans.

Nicola Bramkamp setzt in ihrer ersten Spielzeit am Rhein auch auf Bonner Lokalkolorit: So hat sie die Uraufführung "Nullzeit" nach einem Roman der Bonner Autorin Juli Zeh auf den Spielplan gesetzt. Regisseur Volker Lösch packt gemeinsam mit der Autorin Gesine Schmidt ein heißes Eisen an: Recherchen zu Männerbünden, die einst revolutionär waren, inzwischen mitunter reaktionär sind: "O alte Burschenherrlichkeit". Bramkamp findet es gut, wenn, wie in diesem Stück, "Testosteron die Bühne flutet".

Ein Bonner Thema greifen auch der Regisseur Bernhard Mikeska und der Autor Lothar Kittstein auf: Mit "Schatten::Frau" geraten die Politikerfrauen ins Fadenkreuz, denen Heinrich Böll einst im Roman "Frauen vor Flusslandschaft" ein Denkmal setzte. Dass man sich gegen Konkurrenz aus Wien und Berlin die Uraufführungsrechte an Nolte Decars "Helmut Kohl läuft durch Bonn" sichern konnte, freut Nicola Bramkamp besonders.

Bramkamp will auch neue Formate ausprobieren. Dazu gehört "Eltern", ein musikalischer Abend von Franz Wittenbrink, Schöpfer von Liederabenden wie "Sekretärinnen" und "Männer". Und die neue Chefin liebt amerikanische TV-Serien, gesteht sie und freut sich auf Shakespeares Mutter aller Serien, die Königsdramen.