Lockere Atmosphäre nimmt Berührungsängste

Künstlerinnen und Künstler hatten ihre Räume in der Bonner Südstadt für Besucher geöffnet - Fünf kreative Frauen eröffneten gemeinsames Atelierhaus "5in2"

Bonn. Der Zugang zur Kunst kann manchmal beschwerlich sein - besonders, wenn der Betrachter erst einmal vier steile Stockwerke hoch bis unter das Dach klettern muss, um die Kunstwerke in Augenschein nehmen zu können. Doch oben angekommen, öffnet die Künstlerin Nika Rossmöller-Schmidt die Tür zu ihrem Atelier, und es gibt Kaffee und Kuchen.


In der Bonner Südstadt finden zum vierten Mal die Tage der offenen Ateliers statt, 14 Künstlerinnen und Künstler laden Besucher ein, in ihre Ateliers zu kommen, ihnen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und die Gelegenheit zu einem Gespräch oder einer kleinen Fachsimpelei zu nutzen.

"Die Leute können hier überall rundschauen, alles anfassen und fragen", sagt Rossmöller-Schmidt, die von ihrem Atelier aus einen tollen Blick auf Botanischen Garten und Poppelsdorfer Schloss hat. Die Malerin freut sich, dass so viele Leute Interesse an ihrer und der Arbeit ihrer Kollegen haben: "Zwischen 60 und 100 Besucher habe ich hier in meinem kleinen Atelier."

In lockerer Atmosphäre käme ein Gespräch viel leichter zustande. Auf Vernissagen oder bei Atelierbesuchen mit vorheriger Anmeldung hätten viele Menschen Berührungsängste, glaubt Rossmöller-Schmidt. "Ich habe mir dieses Wochenende extra freigehalten, um zu sehen, was hier in meinem Viertel im künstlerischen Bereich alles los ist", sagt eine Besucherin.

Für die Künstlerinnen Chris Eichholtz, Martine Metzing-Peyre, Heike Nienhaus, Barbara Skaliks und Gisela Zienicke gab SüdstART Gelegenheit, ihr neues Atelierhaus "5in2" zu eröffnen. "Das Angebot, hier zwei weitere Räume zu bekommen und zusammen zu arbeiten, war wie Weihnachten für uns", sagt Chris Eichholtz, die mit Gisela Zienicke schon ihr Atelier im Haus hatte und die drei anderen Frauen dazu holte.

"Einen geeigneten Atelierraum zu finden, ist unheimlich schwierig", sagt Heike Nienhaus. Ganz wichtig sei viel natürliches Licht, was im denkmalgeschützten Haus in der Reuterstraße 2 ausreichend vorhanden sei. Martine Metzing-Peyre, deren Thema die Immigration und Schicksale von Menschengruppen sind, und Barbara Skaliks, die Objekte und Installationen aus Haar gestaltet, hatten früher Räume im Frauenmuseum.

"Die Zeit war reif für einen Ortswechsel, ich bin gespannt, wie sich meine Arbeit hier im neuen Atelier entwickelt", sagt Metzing-Peyre. Die Künstlerinnen, die sich bis auf die Objektkünstlerin Barbara Skaliks alle mit Malerei beschäftigen, versprechen sich von der Arbeit in den gemeinsamen Räumen auch die eine oder andere Anregung voneinander. "Jede von uns holt sich bei den anderen Kritik ein, wir sind eine tolle Mannschaft und ergänzen uns gut", sagt Eichholtz, die sich mittlerweile ganz ihrer künstlerischen Arbeit widmen kann.

Leben können die fünf Künstlerinnen nicht von ihrer Arbeit, trotzdem betonen die Frauen: "Die Kunst ist unser Beruf. Wir sind allergisch gegen die Bezeichnung Hobbykünstlerin."