Deutsches Museum in Bonn

Leonardo da Vinci: Wunderwerke eines Universalgenies

Natur und Technik: Clara Schotemeier vor einem der großen Flügel, von denen Leonardo da Vinci fasziniert war.

Natur und Technik: Clara Schotemeier vor einem der großen Flügel, von denen Leonardo da Vinci fasziniert war.

Bonn. Er hat das wohl berühmteste Gemälde der Welt geschaffen, legendäre anatomische Skizzen gefertigt, dem Vogel- und dem Menschenflug nachgeträumt und Maschinen gebaut, die zum Teil heute noch zur Anwendung kommen: Leonardo da Vinci.

Das Universalgenie par excellence war so neugierig, rege und kreativ wie kaum ein anderer Wissenschaftler vor oder nach ihm. Nun haben das Deutsche Museum Bonn und das Bonner Wissenschaftszentrum dem Florentiner eine gemeinsame Ausstellung gewidmet, in der sich alles um seine mechanischen Errungenschaften dreht. Bei einem Presserundgang gab der Historiker Ralph Burmester einen Einblick in die Meisterleistungen aus der Renaissance.

Die Ausstellung ist ganz bewusst auf beide Häuser aufgeteilt worden. Während in der Sonderausstellungsfläche des Deutschen Museums vor allem Maschinen zu sehen (und natürlich auch auszuprobieren) sind, die im Prinzip bis heute ihren industriellen Nutzen nicht verloren haben, reflektieren die Exponate im Foyer des Partnerhauses den Traum vom Fliegen.

„Wir wollen durch diese Kooperation herausstellen, für wie wichtig wir das Deutsche Museum erachten, das ja bekanntlich von der Schließung bedroht ist“, erklärte Ulrike Lenk, Geschäftsführerin des Wissenschaftszentrums.

„Es gibt zwar Anzeichen, dass sich noch Alternativen ergeben, aber es ist jetzt an der Zeit für Bekenntnisse. Wir hoffen, der Sache nun Flügel verleihen zu können.“ Und zwar möglichst tragfähige.

Effektivität gab da Vinci in der Regel Recht

Denn dass die menschliche Muskulatur zumindest mit von echten Schwingen inspirierten Gelenkflügeln überfordert ist, merkte da Vinci schnell: „Mit einem Gehilfen hat er dabei wohl auch seine Apparaturen in der Realität getestet, was zu verschiedenen Knochenbrüchen geführt hat“, erklärte Burmester.

Auch die Luftschraube erwies sich in ihrer Konstruktion als Luftnummer – das Konzept kommt dagegen heute in modernen Hubschraubern zum Einsatz. „Leonardo war immer ein Freigeist, der Grenzen überschritten hat.“ Und damit trotz mancher Fehlschläge Bemerkenswertes erreicht.

Zugegeben, viele von da Vincis Erfindungen sind lediglich Weiterentwicklungen bereits vorhandener Konstruktionen, doch die Effektivität gab dem Florentiner in der Regel recht. Seine Verbesserung der archimedischen Schraube kommt zum Teil heute noch bei Kläranlagen zum Einsatz, seine Steinzange beim Befördern von riesigen Platten, seine Sperrklinke in nahezu allen Kränen und Seilwinden.

Apropos Kran: Den hatte da Vinci auch schon gebaut. Ein Modell, wie alle 35 Exponate geschaffen von der Fachhochschule Bielefeld, wartet bereits auf experimentierfreudige Menschen. Denn das Anfassen und Interagieren mit den Gerätschaften ist letztlich der Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung. Naturwissenschaft und Technik im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar zu machen, das schafft in Bonn eben nur das Deutsche Museum.