Konzert mit The Marmalade

Leidenschaftliche Rückkehr in die Beat-Ära

Seit 40 Jahren Marmalade-Frontmann: Sandy Newman hat trotz der Enge des Raumes Riesenspaß.

Seit 40 Jahren Marmalade-Frontmann: Sandy Newman hat trotz der Enge des Raumes Riesenspaß.

Bonn. Ein bisschen Nostalgie muss einfach sein. Selbst in einem Jugendzentrum wie St. Cassius. In den 60er und 70er Jahren war die als OT bekannte Institution ein Zentrum für die vom Beat begeisterten Jugendlichen – und einmal im Jahr lässt sie diese Zeit mit legendären Bands wieder aufleben.

Die Animals waren schon da, wenn auch ohne Eric Burdon, ebenso The Tremeloes und The Searchers. Und am vergangenen Samstag eben The Marmalade. Das OT platzte denn auch aus allen Nähten, als zahlreiche Fans, darunter lokale Größen wie Sixties-United-Frontfrau Bea Tradt und Rolf „Rowi“ Ditz, die Gelegenheit beim Schopfe packten und dicht an dicht den soliden Rock der Kultformation feierten.

Gut, zugegeben, es war Version 2.0: Die Urbesetzung aus Glasgow um den damaligen Frontmann Dean Ford, die mit The Who, Joe Cocker und Pink Floyd die Bühne teilte und die als erste schottische Band mit ihrer Adaption des Beatles-Klassikers „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ an die Spitze der UK-Charts kletterte, hat sich längst zugunsten von Sandy Newman verabschiedet, der die Geschicke von Marmalade immerhin seit nunmehr 40 Jahren bestimmt und selbst den Ausstieg von Gründungsmitglied Graham Knight (2010) zu kompensieren wusste. Mit Erfolg. Marmalade hatte trotz der Enge des Raumes sichtlich Spaß, gab Gas und klang dabei erfreulich frisch und gradlinig. Zumindest solange die Band bei ihren eigenen Songs blieb.

Letztlich war es genau das, weswegen das Publikum gekommen war: Songs wie dem wunderbaren „Rainbow“ oder ihrem größten Hit „Reflections Of My Life“. Cover-versionen von „Summer In The City“ oder „Love Hurts“ kann man dagegen überall hören. Und meistens auch besser. Andererseits war die Menge, nicht zuletzt dank des Charismas und der offenkundigen Leidenschaft Newmans, von der wirklich souveränen Gesamtleistung der Band dermaßen angetan, dass auch diese „Retrotracks“ akzeptiert wurden. Zumal auch so etwas durchaus zur Beat-Ära gehörte, deren Odeur an diesem Abend die Luft im OT konsequent durchtränkte und aus jeder Pore tropfte.

Ja, dieser Ort erinnerte sich an durchgefeierte Nächte, wilde Konzerte und langatmige Diskussionen in rauchgeschwängerter Location. Und für knapp anderthalb Stunden war die Jugend von damals wieder zurück, genoss die nostalgischen Erinnerungen, den Beat und den Rock 'n' Roll. Einmal im Jahr muss das einfach sein. An den anderen Tagen gehört das OT schließlich der Jugend von heute.