Jazz in Bonn

Lee Konitz im Pantheon-Casino

Trio auf der Casino-Bühne: (von links) Thomas Rückert, Henning Gailing und Lee Konitz.

Bonn. Er ist nicht mehr der Schnellste, der Ton war schon klarer und kräftiger, und die knappe Luft zwingt auch mal zum unvermittelten Abbruch. Doch wenn der Mann mit der hellen Safarijacke und den roten Hosen sein Altsaxofon ansetzt, öffnet sich ein großer, reicher Fundus.

Lee Konitz, 86-jährige in Chicago geborene Jazzlegende, Charlie Parkers Gegenpart in den späten 40ern, Guru aller Improvisateure, kann aus fast einem Dreivierteljahrhundert Jazzgeschichte schöpfen, das er zusammen mit allen Großen seiner Zeit mitgestaltet hat.

Lee Konitz mit seinem Trio in Thomas Kimmerles feiner Jazzreihe im Casino zu sehen und zu hören, war ein denkwürdiger, berührender Moment. Man musste den Eindruck verklungener Vitalität des Jazzers, die Konitz im vergangenen Jahr noch beim Charlie-Parker-Jazz Festival im Tompkins Square Park New York gezeigt hatte, ausblenden, die Augen schließen und die eher spärlichen Augenblicke genießen, in denen er wie beiläufig seine Improvisationen servierte: eine große Klasse für sich. Cool und gefühlig zugleich, vertrackt gebaut und gleichermaßen verspielt anmutend.

Der heimliche Star des Abends freilich war Konitz' Pianist, der Würzburger Thomas Rückert. Er tat mit ungeheurer Disziplin, Akribie und Experimentierlust, was früher Konitz' Job gewesen wäre: Das Tonmaterial zu sezieren und dekonstruieren, inne zu halten, Klänge quasi neu zu erfinden, die Standards auf den Kopf zu stellen.

Phasenweise hatte man jedoch den Eindruck, dass die drei auf der kleinen Casino-Bühne agierenden Musiker eher nebeneinander denn miteinander spielten. Kaum Interaktion. Hervorragende Solisten - neben Konitz und Rückert noch der äußerst fantasievolle und präzise schlagende Bassist Henning Gailing, dem ein "Beat wie Charles Mingus" nachgesagt wird -, waren zu hören, kein Team.

Das war der erste Eindruck eines Abends, der sich Standards verschrieben hatte und mit "You stepped out of a dream" tatsächlich die Zuhörer aus einem frühen Traum riss - das klang doch alles sehr inhomogen nach einem verspäteten Soundcheck.

Die Drei fanden aber dann doch allmählich zusammen, höflicher Applaus steigerte sich zum Jubel, und auch das Trio bekam Flügel. Es hob ab, als Gailing seinem Bass grummelige Didgeridoo-Töne abrang, Rückert nur noch sparsame Akkorde setzte und Konitz wie ein alter Indianer sang, ein kehliger Laut, der vom jazzigen Scat-Duktus zum meditativen Singsang mutierte. Und das Publikum summte auf Aufforderung mit.

Im Zugabenteil hatte das Trio endlich Betriebstemperatur erreicht. Schade, da hätte das Konzert erst losgehen sollen.

Die nächsten Konzerte:

Die afghanische Ausnahmesängerin Simin Tander tritt am 17. März im Casino auf. Am 31. März macht der Gitarrist David P. Stevens auf seiner ersten Europatournee im Casino Station. Karten unter www.bonnticket.de und in den Bonnticketshops der GA-Geschäftsstellen.