Varieté von Stephan Masur

"Le Cirque" gastiert im Bonner Pantheon

Grazie und Glamour: Marco Noury an den Strapaten.

Grazie und Glamour: Marco Noury an den Strapaten.

Bonn. Stephan Masurs Varietéspektakel „Le Cirque“ gastiert bis zum 31. August im Pantheon: zwei Stunden und keine Minute davon, die einem beim Zuschauen lang würde.

Die Geschichte beginnt mit einem Koffer voller Zirkusprogramme. Und den Besitzer dieses Koffers – einen Mann in Jeans namens Stephan Masur – zieht es wie magisch auf den vormals so leeren und nüchternen Platz, wo nun Artisten ihr Zelt aufgeschlagen haben. Sie heißen ihn willkommen: all diese Leute, die auf Sektflaschen balancieren und sich verbiegen können, als bestünde ihr Körper in Wahrheit aus Gummi. Sie laden Stephan ein, teilzuhaben an ihrer Welt; in der Manege und dahinter, zwischen den Wagen.

Sie ermutigen ihn, seinen Wunschtraum wahr werden zu lassen und in das Kostüm eines Clowns der Commedia dell'arte zu schlüpfen, um aus Seifenblasen schillerend–fragile Kreationen für den Moment zu schaffen. Stephans Vorschläge, was sich aus dem Zirkus noch so alles machen ließe, werden allerdings geflissentlich überhört. Denn dieser Abend hat sein eigenes Tempo. Und das ist genau richtig, wie Masurs Varietéspektakel „Le Cirque“ jetzt im Pantheon zeigt. Dort zu sehen bis zum 31. August: gut zwei Stunden und keine Minute davon, die einem beim Zuschauen lang würde.

Bunt gemischte Truppe

Ganz sicher nicht, wenn Jonas Alich seine Diabolos in der Luft herumwirbelt, dass die Augen ihnen mitunter kaum zu folgen vermögen. Oder wenn die einzige Frau der bunt gemischten Truppe – die ebenso grazile wie charmant-selbstironische Silea – ihren plüschigen Stubentiger Nero sozusagen aus dem Bauch heraus zum Sprung durch den Todesreifenüberredet. Und auch echte Tiere gehören dazu. Wobei Rodrigue Funke – Choreograph dieser Show – dem aufgeweckten Toyfoxterrier Skipper und der bezaubernden Drahthaarfoxterrierhündin LouLou gern den Applaus überlässt.

In diesem Zirkus tut eben ein jeder, was er kann: Regisseur Marco Noury trägt an den Strapaten Grazie und Glamour hoch oben in die Luft. Direktor Gerrit Hericks gibt mit dem zeitlos nostalgischen Timbre seiner Stimme den Ton an. Und dass dieses Programm wirklich alles andere als steif ist, stellt Tigris an den Hula Hoops und mit seiner Kontorsion eindrucksvoll zur Schau.

Der Abend hat im Grunde nur den Fehler – sich zu neigen. Ob Stephan seinen Koffer also wieder ins gewöhnliche Leben zurücktragen wird? Das selbst herauszufinden, lohnt sich unbedingt.

„Le Cirque“, Pantheon, Siegburger Straße 42, bis 31. August, Karten unter www.ga-bonn.de/tickets, www.pantheon.de und (0228)212521