Launig: Silvesterkonzert in der Kölner Philharmonie

01.01.2012 KÖLN. Volle Philharmonie, beste Atmosphäre - das Silvesterkonzert des Gürzenich-Orchesters (zeitversetzt vom WDR übertragen) geriet launig und stimmungsvoll.

Als Geigensolistin war Viviane Hagner zur Stelle. Am Pult stand Dirk Kaftan, welcher das Programm mit einer bestechenden Mischung aus Glut und Präzision zu servieren wusste. Mit dem Motto "Around the world" lässt sich natürlich viel Musik abdecken, selbst heterogene.

Dennoch wirkte die F-Dur-Romanze von Beethoven etwas fremd, obwohl auch die Ouvertüre von Mozarts "Entführung", mit enormem Feuer lodernd, auf klassisches Repertoire zurückgegriffen hatte. Die Romanze gab freilich der Solistin viel Gelegenheit, blühende Geigentöne zu produzieren.

Peter Tschaikowskys "Nussknacker"-Suite führte dann auf anderes, östliches Terrain. Aus Aram Khatschaturians "Gajané"-Ballett hörte man einmal nicht den Säbeltanz, sondern ein Adagio, von Bonian Tian kostbar schmelzend angestimmt.

Ihm schloss sich das atmosphärisch dichte und äußerst temperamentvolle "Azerbaijan Capriccio" von Fikret Amirov an. Beim spektakulären März-Gastspiel der Kölner Oper in Sulaymaniyah mit Mozarts "Entführung" entstanden wiederum Kontakte zu irakischen Komponisten, so auch zu Diler Hisen, aus Süd-Kurdistan gebürtig.

Man vergab einen Kompositionsauftrag, und nun fand die farbenfrohe "Kurdische Rhapsodie" ihre Uraufführung. Wenn es nicht etwas despektierlich klänge, könnte man von reizvoller Unterhaltungsmusik sprechen. Der anwesende Komponist zeigte sich beglückt.

Béla Bartóks Rhapsodie Nr. 1 (mit Viviane Hagner als brillanter Solistin) nach der Pause ist im Grundton entschieden herber als George Gershwins fetzig-süffiger "Amerikaner in Paris". Ennio Morricones "Gabriels Oboe" (Solo für den exquisiten Horst Eppendorf), der Danzón Nr. 2 von Arturo Márquez und das mitreißende "Tico Tico" von Zequinha de Abreu sind ebenfalls dem U-Bereich zuzuordnen. (Christoph Zimmermann)