Kunstgaleriebonn zeigt Werner Haypeters "Kraftfelder"

Mitten im fahlblauen Schein des "Lichtfeldes", inmitten der 18 Stative mit ihren futuristischen Leuchtaufsätzen setzt das Grübeln ein: Wo hat man dieses Ensemble, eines der größten von Werner Haypeter, schon einmal gesehen?

Bonn. Mitten im fahlblauen Schein des "Lichtfeldes", inmitten der 18 Stative mit ihren futuristischen Leuchtaufsätzen setzt das Grübeln ein: Wo hat man dieses Ensemble, eines der größten von Werner Haypeter, schon einmal gesehen? Außer bei einem privaten Besuch im alten Atelier in der Bonner Herwarthstraße?

Das Ensemble war auf der Insel Hombroich und im Lechner-Museum Ingolstadt, war in der Galerie Anely Juda in London zu sehen, die Haypeter zum wiederholten Mal in der kommenden Woche auf der Art Cologne präsentiert. In Bonn war das "Lichtfeld" außer im privaten Rahmen nicht zu sehen, wie so viele andere Arbeiten dieses Bonner Künstlers, Kunstpreisträger von 1986, der seine letzte lokale Einzelausstellung 1987 bei Hennemann hatte.

So gesehen ist die Mini-Retro "Kraftfelder" in der Kunstgaleriebonn ein willkommener Anlass, sich einmal wieder mit dem ungeheuer präzisen, sehr kalkulierten und dennoch sinnlichen Werk des 1955 geborenen Künstlers zu beschäftigen. Da ist das unwirkliche innere Strahlen seiner frühen gelblichen Epoxiodharz-Blöcke, die gleichermaßen geschlossen wie durchlässig, kompakt wie entmaterialisiert wirken.

Materie und Licht sind zwei Phänomene, die im Werk Haypeters einander durchdringen. Exemplarisch führt er das im "Lichtfeld" vor, einer Arbeit, die 2003 konzipiert und aufwendig konstruiert wurde und seitdem viele Mutationen erfahren hat. Grundidee sind Lichtkörper aus Leuchtstoffröhren, vor die bis zu 14 mit blauen Farbpigmenten und Epoxidharz bearbeitete Scheiben geschaltet werden können.

18 Mal Thema mit Variation, ein Ineinandergreifen von Technik und Malerei, von Lichtfluss und Erstarrung. Der Galeriebesucher wandelt durch den übermannshohen Stativwald und beobachtet das Schauspiel. So aufwendig Haypeter hier operiert, so zurückhaltend verhält er sich bei den Papierarbeiten, bei denen Schnitte, Linien und Schichtungen sowie verschiedene Papierarten eine Rolle spielen: Ein übersichtliches Feld der Mittel - und eine schier unbegrenzte Zahl der Varianten.

Wie bei seinen Leuchtkörpern spielt Haypeter auch hier mit Phänomenen wie Farbsättigung und Transparenz. Die Bonner Ausstellung offenbart ungeahnte neue Ansätze: Zunehmend flirtet Haypeter mit dem Zufall, lässt sich vom Pfad der kühlen Perfektion abbringen.

Kunstgaleriebonn, Lotharstraße 106; bis 13. Mai. Di-Fr 13-18, Sa 11-15 Uhr. Im Weidle-Verlag ist ein Katalog zur Ausstellung und Haypeters Werk erschienen.