Ausstellung

Kunstgaleriebonn zeigt Werke von Stephen Westfall und Martin Pfeifle

"Landmark" von Stephen Westfall.

13.08.2013 Manchmal muss man dem Dialog auf die Sprünge helfen. So brachten die Galeristen der kunstgaleriebonn, Gisela Clement und Michael Schneider, ihren durch lokale und überregionale Projekte unter anderem bei der Bonner MIWO erprobten Schützling Martin Pfeifle, Bildhauer aus Stuttgart, mit dem New Yorker Stephen Westfall zusammen, Maler, Kunstkritiker und versierter Theoretiker der geometrischen Abstraktion in der New Yorker Szene.

In dieser Rolle hat er sich gerade der Künstlerin Mary Heilmann genähert, deren atemberaubende Werke im Kunstmuseum Bonn zu sehen sind. Westfall hat im Katalog einen Artikel über seine Kollegin und ein dunkles Bild geschrieben, auf dem zwei leuchtend gelbe Bänder an Lichtkegel oder Fahrbahnmarkierungen in der Nacht erinnern: "Wir sind alle auf dieser Straße", schreibt er, "aber es erzeugt eine Gänsehaut, dass ein offenbar grundlegend abstraktes Bild dies zeigen kann".

Ein Satz, der auch auf Westfalls Werk angewendet werden kann. Zurück zu Pfeifle/Westfall. Der Generationen übergreifende Dialog, Westfall ist 60, Pfeifle 38, fand in New York seinen Anfang und wird gerade in der kunstgaleriebonn fortgesetzt.

Hier in Deutschland ist Pfeifle gewissermaßen der Arrivierte - von "Goldrausch" in der Villa Merkel (Esslingen) über die Skulpturenbiennale in Amsterdam bis ins Grimmmuseum Berlin reicht sein diesjähriger Ausstellungsparcours -, während Westfall hierzulande nicht so präsent ist.

In Bonn treffen sie sich auf Augenhöhe. Westfalls Bilder voller geometrischer Elemente, die durch perfekt eingestreute Unzulänglichkeiten und Störmomente immer etwas aus dem Rahmen fallen, leben von der festen, geometrischen Struktur.

Und unterlaufen sie aus Prinzip: Ein Kreuz sitzt nie in der Mitte, obwohl dies ein Leichtes wäre; ein Quadrat erscheint in der Regel leicht zum Rhombus gestaucht, wodurch die ganze Formation ähnlich gedrückter Quadrate plötzlich eine ungeahnte Dynamik erhält.

Westfalls Ausbruch aus dem kronstruktiven Korsett führt zu abstrakten Bildern, deren Nähe zur Gegenständlichkeit greifbar scheint: Da wird ein geometrisches Raster zur Häuserfront, wandeln sich gestapelte Register zu schuppenähnlichen Gebäuden.

Pfeifles Irritationen liegen woanders. Er schafft und verändert Räume und Volumina, wo streng genommen keine sind, reißt aus bunten Kartons riesige Löcher, durch die die weiße Wand scheint. Ist es ein Bild, ist es Skulptur? Pfeifles Arbeiten bewegen sich irgendwo dazwischen.

Da wird geschichtet und geknickt, mit Transparenz und geschlossenen Flächen gearbeitet, Pfeifle geht als Bildhauer an die Materie heran. Mit vermeintlich einfachen Mitteln verändert er Räume - wie zuletzt in den Galerien für Kunst und Technik in Schorndorf, wo er 2500 hellblaue Papierstreifen von der Decke abhängte. Der Raum wurde zur Eishöhle. Die wunderbare Serie "FINAN" erinnert in Bonn an diese Aktion.

Die Galerie beendet morgen ihre Sommerpause mit der Präsentation der Edition "Plastik" in Erinnerung an die Kölner "Plastik"-Schau: sehenswerte Arbeiten von Kirstin Arndt, Manuel Franke, Werner Haypeter, Martin Pfeifle und David Semper.

Kunstgaleriebonn, Lotharstraße 106; bis 30. August. Langer Donnerstag am 15. August , 19-22 Uhr. Sonst Di-Fr 14-18, Sa 11-15 Uhr (Thomas Kliemann)