Kunstgaleriebonn zeigt "Subjektive Gewissheiten"

Im Flur der Kunstgaleriebonn bietet sich eine fantastische Aussicht. Die Wandmalerei von Tim Trantenroth konfrontiert den Betrachter mit einem illusionistischen Bildraum, der nicht recht zur weißen Galeriewand passen will.

Bonn. Im schmalen Flur der Kunstgaleriebonn bietet sich eine fantastische Aussicht. Die Wandmalerei von Tim Trantenroth konfrontiert den Betrachter mit einem illusionistischen Bildraum, der nicht recht zur weißen Galeriewand passen will.

Eine gemalte Fensterreihe, perspektivisch durchgestaltet von einem Punkt am Eingang, öffnet den Blick in angebliche Höhen und erfordert eine Neuorientierung im realen Raum. Das Entree setzt den ersten Akzent dieser hervorragenden Einzelausstellung mit Arbeiten des in Berlin lebenden Trantenroth.

Bereits im letzten Jahr hatte der 41-jährige Maler für die Reihe kunstundwohnen zwei Wandgemälde im öffentlichen Raum von Bonn (Im Krausfeld 19 und Lotharstraße 113) realisiert. Im März dieses Jahres stellte die Galerie dann mit dem "Kunduszyklus", in dem die Frage nach der Beeinflussung von Medienbildern auf unsere Wahrnehmung der Dinge gestellt wird, eine andere Seite von Trantenroths Werk vor.

Auch in der aktuellen Ausstellung sind malerische Bearbeitungen von oftmals allzu bekannten Medienfotos zum Thema Krieg, Zerstörung und Terrorismus zu sehen. Der Schwerpunkt liegt aber nun auf den Tafelbildern, die Ausschnitte aus Architekturelementen des urbanen Raumes zeigen.

Etwa das Portal des Bundesfinanzministeriums, ein rundes Bunkerfenster, oder der Zaun der japanischen Botschaft. Auch ein Sicherungskasten, eine Unterführung in Bonn oder eine öffentliche Überwachungskamera liefern motivische Vorlagen für Trantenroth.

Die erstaunliche Präsenz von ein paar banalen Betonbarrieren lässt die künstlerischen Qualitäten der Bilder erahnen. Sie weisen über sich selbst hinaus, indem sie Veränderungen des öffentlichen Stadtraumes nachspüren und grundsätzlich das, was man über den Informationsgehalt von Bildern zu wissen glaubt, anzweifeln.

"Es ist ein Kampf gegen visuelle Abstumpfung mit Hilfe der Malerei", sagt er. Seine Bilder liefern Hinweise auf die vielen Arten der Manipulation, von der räumlichen Illusion bis zur medialen Propaganda. Mehr als eine "subjektive Gewissheit", so der Ausstellungstitel, kann es nicht geben.

Kunstgaleriebonn, Lotharstraße 106; bis 1. Juli, Di-Fr 13-18, Sa 11-15 Uhr und nach Vereinbarung. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Weidle Verlag erschienen.