Bonner Harmonie

Krautrock-Band Kraan - Rückkehr der Dinosaurier

Er kann es noch: Hellmut Hattler in der Harmonie. FOTO: KÖLSCH

Er kann es noch: Hellmut Hattler in der Harmonie.

BONN. Im Jahr 2013 sollte Schluss sein. Endgültig. Wirklich. Der vierte Abschied sollte auch der letzte sein. Schluss mit Kraan, ein für allemal. Von wegen.

Die legendäre Krautrock-Band mit dem Reinkarnations-Dauerabo kann einfach nicht von der Bühne lassen. Und das ist gut so: In der Harmonie gaben Hellmut Hattler, Peter Wolbrandt und Jan Friede jetzt eines von nur zwei Clubkonzerten in diesem Jahr und sorgten dabei für eine Stimmung, die für eine ganze Tour gereicht hätte. Hypnotische Grooves von Drums und Bass, darüber oft nur minimal variierende Gitarrenriffs, treibend, einfangend, faszinierend. Das Publikum feierte das Trio frenetisch, viele treue Fans hatten den Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Und Kraan? Präsentierte sich so stark wie eh und je.

"Wir werden von Jahr zu Jahr besonderer", sagte Hattler selbstbewusst. Trotz oder vielleicht gerade wegen des Spiels mit dem drohenden Ende, dem Bandtod, dem Kraan ein ums andere Mal ein Schnippchen schlägt. Die Kapelle, wie Hattler das Trio nennt, hat nämlich noch jede Menge Energie, muss sich noch nicht einmal mit irgendwelchen Nachwuchskräften herumschlagen. Die kontinuierlichen Wechsel Anfang der 80er sind längst vergessen, die exzellente Originalbesetzung, die seit Schulzeiten befreundet ist, hält seit dem vierten Comeback vor nunmehr 15 Jahren ohne ernst zu nehmende Auflösungserscheinungen (die Ankündigung von 2013 hielt gerade einmal eine Woche und zählt daher nicht wirklich) zusammen.

Für Kraan ein Rekord. Doch ausgerechnet aus dieser Zeit spielte das Trio so gut wie nichts. Nur ein Song vom 2010 erschienenen Album "Diamonds" ("Club 20"), keiner von "Psychedelic Man" oder "Through". Stattdessen die Klassiker: Das mit Schamanen-Rhythmen und orientalisch klingender E-Gitarre versehene "Kraan Arabia" etwa, "Holiday am Marterhorn", "Jerk of Live" und "Andy Nogger", all jene Titel also, die 1975 eines der besten Live-Alben der deutschen Rockgeschichte bildeten.

Schon nach einer Stunde warf Hattler einen Blick auf die Uhr. Die Setlist war so gut wie abgearbeitet, die Band aber noch lange nicht am Ende. Müde? Keineswegs. Also weiter. Zugabe um Zugabe spielten die Kraaniche, 45 Minuten lang. Bei so treuen Fans war das Ehrensache. "Ich habe echt nicht daran geglaubt, dass wir heute in der Harmonie ausverkauft sind", gestand Hattler - und zauberte kurz darauf ein Bass-Solo aus seinen Saiten, bei dem so mancher gestandene Musiker nur ehrfürchtig mit den Augen rollen konnte. Von wegen altes Eisen: Kraan kann es noch. Und will es auch. Zumindest momentan. Bis zum kommenden Jahr dürfte die Band noch durchhalten, dann kann sie ihr 45-jähriges Jubiläum feiern.